"Die erste Frau, die . . ." - seit Dienstag gibt’s wieder eine mehr von denen. Noch dazu eine Österreicherin. Und diesmal ist "die erste Frau, die . . ." sogar der erste Mensch überhaupt, der das gemacht hat, was sie getan hat. Weil sonst sind die Frauen ja eher immer Zweite geworden. Auf dem Mount Everest zum Beispiel. (Etwaige Yetiweibchen, die schneller gewesen sein mögen als der Edmund Hillary und der Tenzing Norgay, haben halt kein Selfie machen und es irgendwo posten können, weil es das Irgendwo damals noch nirgendwo gegeben hat.) Und der Mond ist sowieso bloß von lauter Männern heimgesucht worden, Amerika hat vor der Greta bereits dieser Christoph entdeckt, und vor der ersten Bundeskanzlerin Österreichs haben schon 28 "Bundeskanzler, der" den Job erledigt. Aber niemand vor der Jessica Pilz hat angeblich je ein Windrad bestiegen - von außen (und von unten nach oben).

Bei der Aktion auf der Donauinsel ist es freilich nicht um Feminismus gegangen, sondern ums Klima. Die bis vor kurzem amtierende Weltmeisterin im Lead-Klettern hat vielmehr (zusammen mit der Wien Energie und der IG Windkraft) ein Zeichen setzen wollen für die saubere Energiegewinnung aus Windkraft. (Gut, während sie gekraxelt ist, also live, wurde keine saubere Energie gewonnen. Weil die Rotoren natürlich aus waren.) He, und wenn die, die vorher die Klettergriffe für sie montiert haben, nicht widerstehen haben können und die Aufstiegshilfen heimlich ausprobiert haben? Wär’s dem Klima sicher auch wurscht.

Die Greta, die unlängst ebenfalls für die Windkraft geworben hat und sich von dieser gar über den Atlantik blasen hat lassen wie dereinst der Columbus, ist dabei allerdings wo angekommen, wo sie wirklich hinwollte, und die Jessica musste ja eigentlich nicht aufs Windrad, sondern nach Innsbruck. Zumindest ist sie gleich im Anschluss an ihre Bezwingung des ältesten Windrads von Wien dort hingeflogen. Hm. Verkehrt auf der Strecke Wien - Innsbruck nicht so ein strombetriebenes Fahrzeug auf Schienen, in das urviele Leute reinpassen, weil es so lang ist? Okay, vielleicht wollte sie Strom sparen. Und zu den Olympischen Sommerspielen in Tokio, für die sie sich grad qualifiziert hat, wird sie wohl auch schwerlich mit dem Zug fahren können. 2020 wird Klettern ja olympisch. Sind die wo ang’rennt?! Da segelt die Greta unter größten Entbehrungen nach Amerika, und nächstes Jahr fliegen alle nach Japan? Und muss man echt ausgerechnet jetzt (Klimawandel, hallo?) neue Disziplinen ins Wettkampfprogramm aufnehmen? Dass nachher noch mehr Menschen im Flugzeug sitzen? (Und schafft bitte endlich diese Weltmeisterschaften ab! Die sind Gift fürs Klima.)

Ich jedenfalls steig nun auf ein Verkehrsmittel mit Elektroantrieb um. Zug? Fast. Auf den Aufzug! Ab sofort nehme ich also immer den Lift. Reduziert meinen CO2-Ausstoß. Beim Raufschnaufen zu Fuß ist meine Atemfrequenz nämlich deutlich erhöht. Und mit jedem Ausatmen gelangt mehr CO2 in die Atmosphäre. (Hoffentlich erwisch ich nicht versehentlich einmal einen Lift, der mit Atomstrom betrieben wird. Sonst krieg ich aus Rücksicht aufs Klima noch Krebs.) Und wenn das Ding kaputt ist? Frag ich einfach wen, ob er mich die Treppe raufträgt. Dann bin wenigstens nicht ich diejenige, die klimaschädlich rumkeucht.