Der Erfinder der modernen Wassertoilette, ein gewisser Sir John Harington, ist ein unwesentlich begabter britischer Poet gewesen, ein Patensohn von Elisabeth der Ersten, der wegen diverser schlüpfriger Geschichten vom Hof verbannt wurde und somit das nicht sonderlich aufregende Leben eines Landadeligen führen musste, der partout vom Land nicht weg darf. Aber Sir John Harington hatte Ideen. Die beste davon, so hoffte er, würde ihm schlussendlich sogar die Gunst der Krone zurückbringen. Hat leider nicht funktioniert. Obwohl Elisabeth die Erste Haringtons Wassertoilette 1592 bei einem Besuch in der Provinz zwar persönlich ausprobiert und hinterher sofort ein Exemplar für den Palast bestellt haben soll, fand sie keinen Gefallen daran. War ihr zu obszön, das Ding. Sir John Harington blieb am Land und die Briten mussten noch einmal 200 Jahre lang warten, um endlich ihr Klo zu kriegen.
Insofern finde ich es lustig, dass vor wenigen Tagen das goldene Klo des italienischen Künstlers Maurizio Cattelan aus einem britischen Palast gestohlen worden ist. Irgendwie schließt sich hier der Kreis. Sir John Harington wäre beglückt gewesen, wenn der Hochadel seine Erfindung, gegossen in Gold, geordert hätte. Wahrscheinlich hatte er es sich insgeheim eh so vorgestellt. Was wiederum Maurizio Cattelan nicht wissen konnte. Der hat geglaubt, die Engländer klatschen, wenn er mit der goldenen Toilette kommt. Stattdessen klauen sie ihm das Ding viel lieber unterm Hintern weg.
Gerne stelle ich mir vor, dass es den Ganoven gar nicht so sehr um den Goldwert gegangen ist. Ich stelle mir eine kleine Wohnung im Hochhausdreck einer typischen britischen
Großstadt vor. Hier gibt es nichts, was auch nur irgendwie von Wert ist, sogar der Fernseher ist Mist, aber im Klo schließen zwei, drei aufgeregte Gestalten gerade eine Wassertoilette aus purem Gold an. Von nun an scheissen sie aufs Geld und werden alt und sterben glücklich. Klingt gut. Wahrscheinlich aber hat man die Jungs eh schon längst geschnappt.