Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Horrormeldungen, wohin man schaut. Das Bundesheer ist laut einem Bericht nicht mehr in der Lage, das Land vor den drohenden Gefahren zu beschützen. Wenn also Drohnen, Flüchtlinge oder eine russische Oligarchennichte auf das österreichische Staatsgebiet drängen, kann unser Bundesheer nichts tun. Gar nichts. Noch schlimmer, ein Generaloberst hat im Mittagsjournal sogar gesagt, das Bundesheer müsse 55 000 Soldaten unterhalten. Und warum? Weil denen fad ist. Total fad. Soldaten ist ja gerne sterbenslangweilig.

Und das ist gefährlich. Die proben sonst den Aufstand. Womöglich noch mit Kollegen aus Deutschland? Vielleicht ist das ja der Grund, warum der Soldat Marko aus Offenbach so gerne den Offiziersball in Wien besucht hat.

Aber dem nicht genug, auch anderen Gefahren ist Österreich schutzlos ausgeliefert. Und da sind wir nicht allein. Die meisten Staaten, hat gerade die WHO gesagt, seien unzureichend auf eine Pandemie vorbereitet. Und damit ist keine Invasion von Pandas gemeint.

Das ist Besorgnis erregend. Aber nur kurz. Denn wenn sich eine Pandemie verbreiten würde, die - sagen wir - die Hälfte der Menschen dahin rafft, dann sind auch nur noch fünfzig Prozent der Besorgnis-erregten am Leben. Der Grad der Aufregung bleibt also auch während einer Epidemie stabil. Das ist das Schöne an Mathematik: Sie kann einem auch das größte Ungemach kleinrechnen. Fragen Sie mal nach in der Rechnungsabteilung der Liste Kurz. Die wissen, was ich meine.

Anders sähe es natürlich aus, wenn der Seuchenauslöser (muss ich das jetzt eigentlich noch gendern? Seuchenauslöserin?) gar keine letale Wirkung hätte. Wenn er uns also nicht aus den Patschen in die Holzpyjamas befördert, sondern unser Erbgut verändern tät. Unsere Gehirnzellen. Unsere Art zu Denken! Und dann - o tempus horribilis! - dann rafft uns nicht die Pestilenz dahin. Und auch nicht die Eloquenz. Oder gar die Permanenz. Nein, unsere Gehirne würden sich verändern und dann bricht sie aus: die Intelligenz.

Und zwar die natürliche, nicht die künstliche.

Einer solchen Seuche stünde dieses Gemeinwesen völlig schutzlos gegenüber. Boulevardblätter blieben ungelesen, Konzerte von steirischen Krachmanderln unbesucht und ein Postler würde in Heiligenstadt mit den Worten "Ich bin ja so ein Depp!" aus einem Hochhaus springen.

Privatsender würden sich auflösen, PR-Abteilungen zerfallen und die Menschen würden in Scharen die Werbeagenturen verlassen mit den Worten: "Glaubt uns kein Wort! Wir produzieren ausschließlich Schwachsinn!" Die Weltreligionen rund um den Globus täten Insolvenz anmelden und sogar der Vatikan ließe verlautbaren: "Also das, was wir Euch erzählt haben...äh... Sorry. Unbefleckte Empfängnis... hihihi... habt Ihr eh nicht geglaubt, oder?" Und auch die politische Landschaft sähe hierzulande aus wie die Bahamas nach einem Wirbelsturm. Die FPÖ zerbröselt, die ÖVP Kurz und klein, die Neos nur mehr ein rosa Taschenrechner, die SPÖ ein Häuflein roter Nelken, die welken, und die Grünen bei 80 Prozent.

Aber halt! Keine Angst, das wird nicht passieren. Das werden wir alle am 29. September schon sehen. Und angesichts des Ergebnisses sagen wir uns dann mit einem Bier in der Hand: So a Jamma, deppat samma!