Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.

Lang, lang ist’s her . . . Kurz vor den Wahlen traten früher die Spitzenkandidaten von SPÖ und ÖVP in einem Fernsehduell gegeneinander an.
Zum Beispiel Bruno Kreisky gegen Josef Taus, eine legendäre Konfrontation. Ganz Österreich saß damals vor dem Fernseher und lauschte. Die Meinungsforscher gingen davon aus, dass durch TV-Duelle Wahlen entschieden werden.

Seither hat sich vieles geändert. Was früher als politischer Zweikampf inszeniert wurde, ist jetzt eine Auseinandersetzung zwischen mehreren Kontrahenten. Auch kleinere Parteien kämpfen um jede Stimme, geht es doch für sie um die Frage, wer mit wem eine Koalition bilden kann und wie stark die Opposition sein wird.

Aber nicht nur die politische Landschaft hat sich verändert, auch die mediale. Der ORF hat seinen Alleinvertretungsanspruch verloren, er steht nun in Konkurrenz mit den Privatsendern. Auch diese veranstalten Fernsehduelle und Elefantenrunden.

Als Elefantenrunde bezeichnen wir eine Fernsehdiskussion aller Spitzenkandidaten. Wenn wir dem Internetlexikon "Wikipedia" Glauben schenken, dann ist dieses Fernsehformat eine deutsche Erfindung. Die Spitzenpolitiker der im Bundestag vertretenen Parteien traten 1969 erstmals bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten ARD und ZDF gemeinsam gegeneinander an. Die offizielle Bezeichnung war "Drei Tage vor der Wahl". In den Jahren 1990, 1994 und 1998 entfielen die Elefantenrunden, weil sich der amtierende Bundeskanzler Helmut Kohl weigerte, an einer solchen Diskussionsrunde teilzunehmen. Später gab es Fernsehduelle der Kanzlerkandidaten von CDU und SPD und eine "Berliner Runde", an der prominente Politiker der im Bundestag vertretenen Parteien teilnahmen, nicht aber die Spitzenkandidaten. In Österreich hat sich der Ausdruck "Elefantenrunde" endgültig mit der Nationalratswahl 2006 etabliert. In diesem Jahr lautete der offizielle Titel der ORF-Sendung "Diskussion der Spitzenkandidaten - Die Elefantenrunde".
Inzwischen haben die privaten Fernsehanstalten das Format und die Bezeichnung übernommen. Bald gibt es mehr Elefantenrunden als Elefanten im Tiergarten Schönbrunn.

Das Wort existierte vermutlich schon vor der ersten deutschen Elefantenrunde. In Lutz Röhrichs großartigem "Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten" finde ich einen interessanten Eintrag zu "eine Elefantenrunde einberufen". Dies sei eine Wendung, die die Bedeutung einer Versammlung oder einer Angelegenheit betont, zu der viele große Kapazitäten eingeladen werden (im Gegensatz zum "Kleinen Gremium"). "Der Elefant, umgangssprachlich auch ,Jumbo‘ genannt, dient in neuen Wortbildungen oft zur Veranschaulichung der Größe und Wichtigkeit hoher Funktionäre in Politik und Wirtschaft." Nach einem ähnlichen Gedanken sei der Ausdruck Elefantenhochzeit entstanden. "Er wird dann verwendet, wenn zwei große Konzerne miteinander fusionieren."

Die Elefantenrunden sind inzwischen mehr Show als Information. Ein Scherzbold meinte einmal: Im Interesse der Fernsehzuschauer fordere ich, dass die Elefantenrunde zukünftig mit echten Elefanten durchgeführt wird. Bei "Aida" gab es das schon.