Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Wir lachen. Noch. Wir lachen über die putzigen Roboter, die uns auf kurzen Filmchen im Netz allerlei Kunststücke vorführen. Purzelbäume schlagen, Hürden erklimmen, Türen öffnen und schließen, so in der Art. Wobei: Gar so putzig sind diese Roboter nicht, sie ähneln jedenfalls nicht den sanften Androiden aus Hollywood-Traumfabriken und schon gar nicht Blechkisten à la R2-D2 und C-3PO ("Star Wars"). Wenn man etwa die kurzen Werbespots des amerikanischen Unternehmens Boston Dynamics verfolgt, fühlt man sich bei ihrem Gerätepark - allem voran dem Modell Atlas - eher an Kampfmaschinen vom Typus "Terminator" erinnert. Noch wankt Atlas bisweilen etwas ungelenk durchs Bild, aber er torkelt und stolpert nicht. Nicht mehr. Im Gegenteil: Hier tänzelt ein menschenähnlicher Roboter nahezu elegant, er macht Gymnastikübungen, am Schluss der kurzen Videosequenz hebt er triumphierend die Arme wie ein künftiger Olympiasieger im Bodenturnen.

"Wie weit sind Maschinen von der Weltherrschaft entfernt?", folgte postwendend die - halb amüsierte, halb erschrockene - öffentliche Frage eines "Computerbild"-Redakteurs. Er gab sich und uns die Antwort: "Wenn man sich Atlas anschaut, wohl nicht mehr viel." Das ist natürlich eine schaurig populistische Antwort, die vor wissenschaftlichem Hintergrund nicht hält. Anderseits fließen Milliardenbeträge in Unternehmen wie Boston Dynamics, vorzugsweise aus Militärbudgets. Aber auch Google investiert hier. Bei Atlas, dessen rasante Evolution wir seit seinen ersten Schritten ausschnittsweise im Netz verfolgen können, handelt es sich um das Nachfolgemodell des sogenannten Petman (eine Abkürzung für Protection Ensemble Test Mannequin), einem Roboter für Katastropheneinsätze. Der 1,80 Meter große und 150 Kilogramm schwere Android sollte sich - etwa nach einem Nuklearunfall - in Gebiete vorwagen, die Menschen nicht mehr zugänglich wären. Beweglichkeit ist hier selbst für Maschinen ein Überlebensfaktor. Katastrophenschutz ist aber nur eine Seite der Medaille. Dass Wissenschafter der Fachrichtungen Robotik, Mechatronik und Künstliche Intelligenz seit Jahr und Tag vor den möglichen negativen Implikationen dieser Entwicklung warnen, wollen das Militär und die Politik nicht hören. Auf diesem Ohr sind sie taub. Man stellt ja nicht nur beim Thema Klimawandel mit Erschrecken fest, dass Fachleute wenig bis nichts zählen und mehr oder minder ahnungslose (oder, noch schlimmer, durchaus gut informierte) Machthaber alles dem Machterhalt unterordnen. Und zwar wirklich alles, verrückterweise auch das eigene Überleben. Stanley Kubricks cineastisches Meisterwerk "Dr. Strangelove" ist, wenn man die Geschichte der Menschheit betrachtet, ja keine durchgeknallte Dystopie, sondern ein etwas exaltierter Dokumentarfilm. Googlen Sie einfach den Namen Stanislaw Petrow - und danken Sie Gott (oder auch nur der Macht des schnöden Zufalls), dass der Mann einst nicht blindwütig einen Knopf drückte. Wie sich das Nach-Nach-Nachfolgemodell von Atlas - so hieß bezeichnenderweise einst auch eine US-Rakete - verhalten wird, wenn man ihn vor die Wahl stellt? Ein paar Jährchen Galgenfrist haben wir noch.