Ein echtes Dilemma, ein moralisches, in dem ich grad stecke. Am Freitag . . . gut, diese Woche ist anscheinend jeden Tag Freitag gewesen, ein "Freitag für die Zukunft", also am heutigen Freitag findet ja diese Riesendemo statt. Als Höhepunkt der globalen "Week For Fridays". Nein, Tschuldigung: "For Future". Die jungen Leute gehen doch nicht weltweit für ein Verbot der Viertagewoche auf die Straße und streiken für den Erhalt der Freitage als Werktage, sondern fürs Klima. Und ausgerechnet während des superernsten "Earth Strikes" werde ich anderswo total viel Spaß haben und rosarote Zuckerwatte essen.

Nein, ich bin nicht so eine, die mit einem T-Shirt herumläuft, auf dem steht: "Ich lass mir mein Klima nicht schlechtreden." Keine Ketzerin. Ich wollte bloß wieder einmal in den Prater (und endlich diese neue Geisterbahn mit den Horrorclowns austesten), und an dem Tag hatten halt alle Zeit. Der Heinz, die Eva und der Hans. Manchmal braucht man einfach eine Pause - vom Weltuntergang. Vom Horror des Lebens und vor allem Über-Lebens in einer immer feindlicher werdenden Umgebung voller E-Scooter und Wetter, und dann versucht uns auch noch diese Stinkwanze aus unseren Wohnungen zu mobben.

Aber sollte ich den Ausflug nicht lieber absagen? Weil ist es nicht pietätlos, Karussell zu fahren, während die Menschheit kurz davor ist, vom steigenden Meeresspiegel ertränkt zu werden? (Soll der Meeresspiegel es nur probieren, über den Semmering zu steigen!) Außerdem kann ich das der Greta nicht antun. Nachdem ich ihr bereits ihre Kindheit gestohlen habe. Und ihre REM-Phasen. Ihre REM-Phasen? Ja, ihre Träume. In ihrer Publikumsbeschimpfung hat sie sich darüber jedenfalls so weinerlich beklagt, dass mir deswegen sogar ein Freud’scher Verleser passiert ist. ("Beim UN-Klimagipfel heult Greta Thunberg eine ungewohnt emotionale Rede." - Hoppala: "hielt", nicht "heult".) Okay, wahrscheinlich wirft sie das alles eh nicht mir persönlich vor, oder bin ich vielleicht eine Entscheidungsträgerin?! Na ja, irgendwie bin ich das schon. Diesen Sonntag wieder. Wenn ich mein Kreuzl mache. Und ich bin immerhin mitschuldig daran, dass die Grünen aus dem Parlament geflogen sind (natürlich nicht mit dem Flugzeug). Weil ich sie eben nicht gewählt habe.

Und zu allem Überfluss will ich jetzt also den womöglich wichtigsten Tag fürs Klima seit Beginn der Erderwärmung in einem Vergnügungspark verbringen. Das vergibt mir die Greta nie. "Wir fliegen jo ned nach Disneyland. Wir foan ins Calafatidorf." Stimmt. Recht hat er, der Heinz. He, ist ein Sammelpunkt für die Demoteilnehmer nicht der Praterstern, wo wir aussteigen müssen? Und wenn die Schüler, die diesmal sowieso nicht so richtig streiken, sondern unter Aufsicht ihrer Lehrer quasi eine praktische Übung in demokratischer Partizipation absolvieren, wenn die alle die U-Bahn nehmen, ist die heillos überfüllt. "Fahr ma halt mit’n Auto." - "Und wo willst es sicher abstellen, Heinz? Weil die wern dir garantiert ka Blume in den Auspuff stecken." - "Duat gibt’s a Parkgarage." Dafür werden wir dann im Prater gleich einmal klimafreundlich mit dem Zug fahren. Mit der Liliputbahn. ("Spinnst? Die hat a Dampflok! Das CO2, das da vorn rauskommt, is so schmutzig, des is scho richtig schwoaz!" - "Nur am Wochenende. Am Freitag fahrts ohne Dampf.")