Wenn der gute Gatte und brave Familienvater nach einem verschwundenen Sommer im verwilderten Schrebergarten plötzlich einen weißen Vollbart hat, ist er mindestens für die Hälfte der Menschheit nicht mehr vorhanden. Die Einen wissen nicht mehr wer du bist, die Anderen machen blöde Witze über den Weihnachtsmann. Das hat Tradition. Odysseus wurde auch nur vom Hund erkannt, als er nach seiner völlig aus dem Ruder gelaufenen Rundfahrt durch die griechische Inselwelt wieder daheim im Palast angekommen war. Spricht für den Hund. Wie so vieles auf der Welt.
Mag sein, dass es Männer gibt, die ihre Bärte ausschließlich aus religiösen Gründen tragen. Ich gehöre nicht dazu. Aus religiösen Gründen tue ich gar nichts. Noch im Petersdom interessiert mich die Skulptur von Michelangelo mehr als das Gebet vom Papst. Hat mit meiner Kindheit zu tun. Als Kind habe ich in der Stadtkirche von Spittal an der Drau heimlich einen guten Schluck Weihwasser getrunken. Und danach zitternd auf die Erleuchtung gewartet. Oder wenigstens auf die Stimme Gottes, die aus den Wolken kommt. Kam keine Stimme Gottes aus den Wolken. Irgendwann bin ich nach Hause gelaufen. Ab da war ich Agnostiker.
Gestern hat mir wer gesagt, dass es gar nicht gut ist für die Wirtschaft, wenn die Menschen immer weniger mit dem Auto fahren. Für die Umwelt womöglich schon, für die Wirtschaft sicher nicht. Nämlich nicht nur schlecht für die Autoindustrie. Überlegt ja keiner, was da alles dran hängt. Die Tankstellen. Die Raststätten. Die Reifenfabrikanten. Die Zulieferbetriebe. Sogar die Duftbaumhersteller leiden, sagte ich. Die auch, sagte er. An die Duftbaumhersteller hatte er noch nicht gedacht.
Heute Morgen meint meine Frau, dass sie irgendwo gelesen hat, dass mittlerweile auch die Rasierklingenerzeuger mächtig in der Bredouille stecken. Verkaufen um die Hälfte weniger. Als meine Frau das sagt, schaut sie auf meinen Bart. Meine Frau hasst meinen Bart. Sie kämpft mit allen Mitteln.