Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Ja, natürlich ist es redundant: Wie oft hat sich nicht die SPÖ auf ihre "eigentlichen Werte besonnen"? Wie zahlreich waren nicht schon die ewigen gleichen Ankündigungen der ÖVP, "Österreich fit für die Zukunft" zu machen, nur damit am Ende alles so geblieben ist, wie es eh schon immer war? Und wie oft hat die FPÖ... naja, gut, die Freiheitlichen sorgen wenigstens alle paar Jahre für eine Hüttengaudi, wenn sie mal wieder explodieren und die rauchenden Trümmer durch die innenpolitische Atmosphäre fliegen, aber: Wir wissen doch, wie das ausgeht. Es ist so fad wie die "Stirb langsam"-Reihe mit Bruce Willis. Nur leider ohne Bruce Willis.

Warum schauen wir uns das dennoch so gerne an?

Es liegt an den Details. Zwar bleiben die Inhalte dieselben, aber das Personal wechselt so schön.

Wurden die Grünen vor ein paar Jahren noch von einem knorrigen, etwas süffisanten Tiroler (der hat mittlerweile einen echten Job) geführt, so hat man heute einen leicht verknautschten, etwas süffisanten Steirer. Oder die Liberalen: Sie hießen schon LIF oder Junos oder Martin, sie hätten sich auch Hans-Peter taufen können, am Schluss stehen sie immer vor den Toren der Regierungsbildung und sind aber nicht groß genug, um die Türklinke zu erreichen. Aber in welcher Farbe sie sie nicht erreichen, (mal Gelb, mal Hellblau, mal Rosa) das ist immer unterschiedlich.

Die Freiheitlichen haben dagegen noch ganz andere Verwandlungskünste: Erscheinen sie von der Seite wie ein Rächer der Solariumgegerbten, quasi als ein Robin Blood, dem Abstammung wichtiger ist als Abstimmung, so sehen sie von der anderen Seite aus wie ein Spesenritter, der in der Manier eines Sheriff von Nottingham die Steuerzahler auspresst.

Das wird nur getoppt durch die Sozialdemokratie. Sie hat in ihrer Parteivorsitzenden die eierlegende Wollmilchsau, die österreichische Version des Wolpertingers, kurz gesagt eine moderne Chimäre erfunden: Sie sieht aus wie ein Reh, kämpft wie eine Löwin und ist obendrein der Sündenbock. Demnächst mit folgender Erweiterung erhältlich: Opferlamm.

Die Volkspartei hätte natürlich nicht jene Beliebtheitswerte, wenn sie nicht auch die innovativste Show bieten würde: Europas erster Politcyborg, vulgo "Basti®", zeigt, dass neben der künstlichen Intelligenz auch die künstliche Arroganz heute technisch schon weiter ist, als man geglaubt hat. Seine Software kann von allen heimischen Großkonzernen und "Leistungsträgern" genannten Sesselklebern bequem von zuhause aus per App jederzeit verändert werden. Und um die ewig gleichen Stehsätze und Handbewegungen (die Software ist da noch nicht so weit) zu kaschieren, hat man ihm eine Armee von Bots zu Seite gestellt, die den Song "das größte politische Talent" in Heavy Rotation spielen. Dem nicht genug, ist die Performance des Basti® auch gendermäßig extrem volatil: Einerseits ziert er sich wie eine Prinzessin im Märchen, eingeschlossen in der Burg der "Sachzwänge", und wartet auf einen Ritter, der ihn befreit, um mit ihm ins Land der Koalition zu reiten (wofür ihm Basti® zum Dank den Kopf abbeißen wird), andererseits sieht er aus wie ein junger k.u.k.-Leutnant, siegessicher, strahlend, sich selbst gewiss... einen Tag vor der Schlacht bei Solferino. Das ist eben Entertainment at it’s best.