Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.

Manche Wörter können ganz schön nerven. "WZ"-Leser Hans Struber hat, wie er schreibt, mit dem Wort "hallo" ein Problem. "In der heutigen Zeit wird dieses Wort überaus häufig gebraucht, sei es als Anrede, als Gruß oder bei einem Anruf. Ich verwende das Wort mit Unbehagen. Auch meinen noch jungen Neffen habe ich dabei ertappt, wie er sich mit einem ,Ich heiße nicht Hallo!‘ gewehrt hat. Offensichtlich stört es nicht nur die Älteren."

Zunächst gilt es zu klären, woher der Ausdruck stammt. Überraschung - nicht aus dem Englischen! Ursprünglich handelte es sich um eine Befehlsform des althochdeutschen Verbs halon (rufen, herbeirufen). Es war ein Zuruf an den Fährmann: "Hol über!" So steht es in "Kluges etymologischem Wörterbuch". Wikipedia ist bei der Herkunft von Wörtern unzuverlässig. Dort bemüht man sich in derartigen Fällen, möglichst viele Ableitungen zu präsentieren, wie abstrus und absurd sie auch sein mögen - oft gegen die allgemein anerkannte Lehrmeinung.

Bei der Herkunft des Wortes "hallo" darf man nicht übersehen, dass es im Englischen ein ähnlich klingendes und gleichbedeutendes "hello" gibt. Es hat vermutlich dieselbe Wurzel wie das deutsche "Hallo". Die zwei Sprachen haben sich ja erst recht spät auseinanderentwickelt. In den Vereinigten Staaten ist Mitte des 19. Jahrhunderts daraus eine Grußformel geworden, ursprünglich lautete sie: "hello house". Der Gruß wurde verwendet, wenn man jemanden besuchen wollte und sich dessen Haus näherte.

Die große Karriere des Wortes begann mit der Einführung des Telefons in den USA, und zwar in den 1880er Jahren. Alexander Graham Bell wollte "ahoy" durchsetzen, aber "hallo" gewann. Bald wurden die Operatorinnen in den Telefonzentralen als "hello-girls" bezeichnet.

Damit sind wir bei einem Gebrauch des Ausdrucks angelangt, der wohl unproblematisch ist. Wir melden uns mit "Hallo?" am Telefon. Ich halte auch die Verwendung als Grußformel für nicht so schlimm. "Hallo!" hat den Vorteil, dass es egal ist, ob ich mit der zu grüßenden Person per Du oder per Sie bin. Wenn mir jemand regelrecht über den Weg läuft, ist "Hallo!" niemals falsch. Ist es ein Freund, kann ich noch rasch ein "Servus!" und ein "Grüß dich!" hinterherschicken.

Unangenehm sind aus meiner Sicht einige weitere Verwendungen, die heute populär sind. "Aber hallo!" mit ansteigender Intonation bedeutet: "Da übersiehst du etwas Wesentliches!" Nicht weniger unangenehm ist der Gebrauch als eine Art Weckruf. Dabei liegt ein starker Akzent
auf der lang gedehnten ersten Silbe, dann fällt der Ton herunter. Damit soll eine Person, die gerade ins Narrenkastl schaut, in die Realität zurückgeholt werden: "Willst du vielleicht wieder mitdenken?"

Als unschicklich gilt es, jemanden mit "Hallo!" herbeizurufen, obwohl man dessen Namen kennt. Der echte Wiener weiß darauf eine Antwort: "Da ,Hallo‘ is scho gstuam. Dea liegt neman ,Hearst‘ aufm Zenträu (Zentralfriedhof)!"

Etwas anders ist das letztbetonte Hauptwort "Hallo" zu beurteilen, ein Neutrum. Gemeint ist ein fröhliches und lärmendes Durcheinander. "Na, das war vielleicht ein Hallo bei der gestrigen Ausstellungseröffnung!"