Dürren, Hochwasser, Waldbrände, leere Schulklassen jeden Freitag - die Lage ist verdammt ernst. Wir müssen das Kind endlich einmal beim Namen nennen. Würde ich eh gern, aber bei welchem?

Jedes mickrige Hoch- oder Tiefdruckgebiet heißt irgendwie (Hoch Lisbeth, Tief Olaf . . .). Und "Wetterpaten" zahlen sogar dafür, dass sie eins benamsen dürfen. Jahr für Jahr kann man sich nämlich in eine alphabetische Liste des Meteorologischen Instituts der Freien Universität Berlin hineinkaufen, und nachher spuckt selbst die Christa Kummer, wenn sie im ORF das Wetter vorhersagt (das Wetter für Österreich, wohlgemerkt), diesen Namen aus. Na servas. Die Deutschen machen bei uns das Wetter. Und bloß wegen irgendeinem Olaf aus der Piefkei hab ich letztens bereits eine Winterjacke gebraucht. Ein Hoch kostet übrigens 299 Euro, ein Tief lediglich 199 Euro. Moment: Tiefs sind angeblich doppelt so häufig wie Hochs. Müssten die nicht folglich halb so teuer sein und 149,50 Euro kosten? Jedenfalls haben die alle einen Namen. Jeder Lercherlschas hat einen. (Okay, der Dorian und der Lorenzo waren "Lercherlschase" der Kategorie fünf.) Nur der Klimawandel hat noch immer keinen. Dabei ist der unser Baby. Das von uns allen. Unser nachhaltigstes Produkt. Eine Superwaffe. (Gegen die war die Hiroshima-Bombe ein . . . Lercherlschas. Der Kategorie eins.) Würde die mit einem menschlichen Namen nicht gleich viel . . . humaner wirken?

Und? Wie sollen wir ihn nennen, den Klimawandel? Keine Ahnung. Das muss die Weltbevölkerung entscheiden. In einer globalen Online-Abstimmung. Jedes Land schlägt also einen Vornamen vor (vermutlich einen männlichen, weil die größte Weltreligion von allen nach wie vor das Patriarchat ist), und am Ende heißt der Klimawandel Chang. Weil China die meisten Einwohner hat. Oder Wladimir. Weil Russland die besten Hacker hat. Und weil die USA den großartigsten Präsidenten haben, wird dieser diese Fake News sofort auf Twitter entlarven, weil natürlich in Wahrheit Donald gewonnen hat, obwohl der überhaupt nicht zur Auswahl gestanden hat, zumal der bedeutendste Träger des Namens (diese Ente?) sowieso nicht fest an den Klimawandel glaubt, und daraufhin wird er die ganze Welt außerhalb von Entenhausen, Tschuldigung: von Amerika, mit Strafzöllen belegen und damit drohen, das Internet vollständig zu löschen.

Hm. Vielleicht wäre eine Versteigerung doch besser für den Weltfrieden. Und wenn ein einzelnes Tief schon 199 Euro kostet, dann können sich den Klimawandel ja echt nur mehr die Reichen leisten. Und sobald er Jeff heißt, wissen die Leute wenigstens immer gleich, dass nicht vom prähistorischen Klimawandel vor 55,8 Millionen Jahren die Rede ist. Vom Paläozän-Eozän-Temperaturmaximum. Sondern eben vom Jeff. Ist schließlich nicht der erste Klimawandel. "Klimawandel Jeff" - he, befördert der reichste Mensch auf Erden nicht die Erderwärmung? Ach, in seinen Packln? Gewissermaßen. Weil dauernd Sachen hin- und herzuschicken, das kann nicht gut für die CO2-Bilanz sein. Dafür könnte man aber mit dem Geld aus der Versteigerung jede Menge Greta-Thunberg-Barbies produzieren und jedem Mädchen auf dem Planeten per Drohne zustellen (und den Buben Greta-Thunberg-Actionfiguren). Als pädagogisches Spielzeug. Ja, so machen wir’s.