Berliner sind Wiener, die nicht kochen können. Der Besuch aus Deutschland findet diesen Satz gar nicht witzig. Die Dame ist aus Berlin angereist und nur weil sie nicht weiß, was ein Saibling ist, muss sie sich in Wien im Wirtshaus nicht wichtig anreden lassen, meint sie. Muss sie schon, meine ich. Das Wirtshaus ist längst keine Wohlfühlzone mehr und wer zwar weiß, was ein Victoriabarsch ist, nicht aber den Saibling kennt, der hat gleich fünf Lebensmittelpäpste neben sich sitzen am Tisch, so schnell kann der Mensch gar nicht kauen, wie sich ein kurzweiliger Abend in die Rettung der gesamten Welt verwandelt.

Wobei man ja als grundvernünftiger Mensch und Freund der Natur nicht einmal mehr den Saibling essen sollte. Das sagt ein guter Freund von mir, der in Sachen der Ernährung mittlerweile so streng und rigoros vorgeht, dass davon Abstand genommen wurde, ihn noch länger von den Vorzügen der Wirtshausküche zu überzeugen. Wenn Wirtshaus, dann Bier, meint mein Freund, ansonsten hält er sich ans Gemüse. Als Koch ist mein Freund ein Meister des Gemüses. Als Gast ist er unmöglich. So wie wenn du im Anzengruber ein Gulasch bestellst und Greta Thunberg sitzt am Tisch. Braucht ja keiner.

Unlängst bin ich in die Avocadofalle getappt. Da hatte ich etwas mit der freundlichen Frau vom Landwirtschaftsministerium zu besprechen. Die Avocadofalle besteht darin, dass die freundliche Frau vom Landwirtschaftsministerium einen Salat bestellt und ich gebackene Avocado. Zwei Minuten Smalltalk, dann trommelt das Dauerfeuer auf, ich stehe in der Ecke wie Ali damals in Zaire, als George Foreman mit beiden Fäusten gleichzeitig auf ihn eindrischt. Wenigstens hat George Foreman nicht gelächelt dabei. Avocados sind jetzt also auch verboten. Wegen der Umwelt. Wegen der illegalen Abholzung und dem hohen Wasserverbrauch in der Erzeugung. Verstanden. Kapiert. Versprochen. Hätte mir aber ruhig wer vorher sagen können.