Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Wer wir sind, ist nicht so leicht zu definieren. Wer wir nicht sind, schon eher. Hat der Bundespräsident doch angesichts des Ibiza-Skandals gesagt: So sind wir nicht.

Das hat uns alle erleichtert. Nur Franz Fischler hat kurz darauf in einem Ö1-Gespräch angemerkt: Das zu beweisen, wird nicht ganz einfach. Aber bis die beiden Tiroler sich einig sind, verzichten wir mal auf Definitionen und Rationalität und konzentrieren uns auf unser Gefühl. Und das sagt uns: Wir sind jetzt Literatur-Nobelpreisträger. Genau. Wir haben dem Peter Handke - freundlich, wie wir sind - erlaubt, Bücher zu schreiben und seit Jahrzehnten in Frankreich zu leben. Deshalb sind wir ja jetzt auch ausgezeichnet.

Und nicht nur das, wenn der Marcel Hirscher Weltcupsieger geworden ist, waren ja auch wir Weltcupsieger. Wie er sich vom Skisport zurückgezogen hat, da war er allerdings ganz allein. Wir sind ja auch nicht gefragt worden. Dafür haben wir jetzt gegen Israel gewonnen. Natürlich. Denn in Israel gibt es eine Schas-Partei. Und wir haben mindestens drei Schasparteien. Bei dieser Übermacht war das Ergebnis von 3:1 nur logisch. Und wenn wir schon bei den Parteien sind, dürfen wir nicht die Partei unerwähnt lassen, die so viel wir besitzt wie keine andere. Quasi die wirrste aller unserer Parteien. Und wenn die immer wieder plakatiert hat "Unser Geld für unsre Leut’", dann hat uns das gefreut. Da waren wir total einverstanden. Auch wenn es sich im Nachhinein herausgestellt hat, dass das ganz anders gemeint war. Aber wer hätte nicht gern von uns einen Mietkostenzuschuss. Oder einen neuen Zaun. Also eigentlich eine Mauer. So sieht dann das Eigenheim aus wie eine Festungsanlage. Kein Wunder, liegt ja auch in unserem Burgenland. Irgendwo muss der Name ja her kommen.

Weil wir wissen ja, wer wir sind. Also wissen ist zu viel gesagt. Aber wir haben das im Gefühl: Lipizzaner mit Marillenmarmelade, das sind wir. Und Wiener Schnitzel in der Lederhose, das sind wir natürlich auch. Und auch wenn die Lipizzaner aus Slowenien kommen und die Marillen aus Armenien und das Wiener Schnitzel aus Mailand und die Lederhose aus Frankreich, was kümmert uns das? Daran halten wir uns fest. Woran denn sonst? An der Waffenfirma Glock? An den zahlreichen Morden an Frauen in diesem Jahr? An dem Auslösen eines Weltkriegs vor 105 Jahren? Oder an der berauschenden Tatsache, dass es Richard Lugner jetzt nicht nur in echt, sondern auch in Wachs gibt?

Nein, das sind wir nicht, sagen wir uns und verfallen in das heimatliche Mantra: Mirsansowiamirsanweilmasosanwiamirsanunddrumsanmirsowiamirsan. Dazwischen ein Schuhplattler oder eine Gnackwatschn und dann geht der Sermon von vorne los. Das erzählen wir uns und die Heimatliche Dreifaltigkeit aus Herrgott (Sepp Forcher), Heiland (Andreas Gabalier) und heiligem Geist (Backhendl) segnet den Gebetsmühlenstein um unseren Hals ab. So samma. Du erzählst es mir, ich erzähl es Dir und am Ende wird Sebastian Kurz Bundeskanzler, weil er uns verspricht, alles zu ändern, damit alles so bleibt, wie es ist. Wir reden uns ins Wachkoma. Weil es so gemütlich ist.

Oder um es mit Peter Handke zu sagen: Du Monolog!