Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Wir haben ja eigenartige Vorstellungen von Robotern. Das ist mir neulich wieder bewusst geworden, als ich mit meiner Enkeltochter den Kinderfilm "Wall-E - der Letzte räumt die Erde auf" geschaut habe (der ja, wie fast immer bei Disney, auch hochmoralische Botschaften an die Erwachsenen sendet). Die Roboterwelt dieser fantasievollen Projektion kennt nur die Dualität gut/böse, entsprechend menscheln hier die Maschinen. Wo die Helden der Story entsprechend dem aus der Biologie bekannten "Kindchenschema" herzig sein dürfen und freilich im weiteren Verlauf auch beherzt und entschlossen, ist das zentrale Computerhirn eine dunkle, omnipräsente, abgründige Entität mit kratziger Stimme. Daneben und dazwischen gibt es auch Kreaturen, die einfach das sein dürfen, was ihnen die Drehbuchautoren - als verlängerter Arm unserer Erwartungen - zugedacht haben: stumme Blechtrottel, ebenso arg- wie harmlos, eil- und dienstfertig rund um die Uhr.

Vielfach sehen Roboter aber anders aus. Sie begegnen uns in parlierenden Lautsprechern, Chat-Bots und personalisierten Werbeanzeigen, als "intelligente Assistenten" im Auto oder als App auf unserem Smartphone. Einen Blick hinter Fabrikstore, wo stählerne Ungetüme mit Greifarmen ihre Dienste in zunehmend menschenleeren Hallen verrichten, wagen wir eher selten. Umso bestürzter lesen wir Artikel und Bücher, die uns davon erzählen, dass der arbeitende Mensch ein Auslaufmodell ist. Und auch unser Job auf der Liste der gefährdeten Arten steht. Rasch die Kummernummer kontaktiert - aber gehört die gütige Stimme oder das schreibende Orakel am anderen Ende der Leitung wirklich zu einem Menschen aus Fleisch und Blut? Seit 1966 der Wissenschafter Joseph Weizenbaum "Eliza" vorstellte - die Computersimulation eines Psychotherapeuten -, kann und darf man sich da nicht mehr so sicher sein.

Ist es insofern tröstlich, wenn Maschinen wie Maschinen aussehen? Und Roboter entweder menschenähnlich daherkommen (was uns eine Begegnung auf Augenhöhe erleichtert) - oder als kriechende, unförmige, von weitem als Parias der Neuzeit erkennbare Blechtrottel? Ich verfalle gern in solche Gedanken, wenn ich zum Beispiel dem Rasenmäher-Roboter zusehe, der um das Haus eines Freundes kreist. Ein faszinierendes, fast meditatives Studium. Das Objekt der Betrachtung ist ein Metall-Plastik-Käfer mit sehr beschränkter, aber für seinen Aufgabenbereich doch erstaunlicher Intelligenz; ein Mysterium für Traditionalisten, die sich noch mit Benzinmähern oder gar einer Sense an die mühevolle Gartenarbeit machen.

Dass die praktische Putzigkeit des Rasenroboters aber nicht so harmlos ist, wie sie sich zunächst darstellt, ist eine Erkenntnis, die ihren Besitzern früher oder später dämmert. Spätestens dann, wenn sie den zerfetzten Igel vom Schneidemesser kratzen. "Durch die automatisierte tägliche Pflege eines scheinbar perfekten Rasens haben Blühpflanzen, Insekten, Amphibien, Spinnentiere und auch kleine Säugetiere keine Chance in unseren Gärten mehr", lese ich gerade im Internet nach (auf der Seite des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern). Besonders unbeaufsichtigt und in der Nacht sind tumbe Roboter eine Gefahr für Flora und Fauna. Aber ihr ungenügendes Sensorium und die nicht ausreichende Intelligenz spiegelt nur die Gedankenlosigkeit ihrer menschlichen Besitzer wider.