Die Wiener Linien haben jetzt, ach so, nein: Die Wien Energie, die hat jetzt. Noch dazu zusammen mit der Umweltstadträtin Ulli Sima. Und was hat sie, die Wien Energie? Der Öffentlichkeit ein visionäres Fortbewegungsmittel präsentiert. "Die" tier- und umweltfreundliche Alternative zum Fiaker.

Existiert die nicht längst? Fährt die einen nicht ständig über den Haufen oder man stolpert drüber, weil sie sich einem überall quer in den Weg parkt? Nein. Während man auf dem E-Scooter nämlich bloß einen Stehplatz kriegt und auch noch selber lenken muss, gibt’s hier sogar Sitzplätze. Und einen Chauffeur. Die haben eine Tretroller-Rikscha gebaut? ("Tret-", wohlgemerkt. Also Beinarbeit statt Akku.) Falsch. Den E-Fiaker. Dem Klima zuliebe hat jemand kurzerhand das Auto ein zweites Mal erfunden. (Mir reicht’s. Keine Gäule mehr. Die machen nur Mist und dauernd regt sich wer auf, sie würden mit ihren Hufeisen das Pflaster zerkratzen. Und wer zieht jetzt meine Kutsche? He, ich bau einfach einen Motor ein! Genial.) Sitzt neben dem Kutscher wenigstens einer, der zwei halbe Kokosnussschalen aneinanderschlägt wie der Knappe vom König Artus in Monty Pythons "Die Ritter der Kokosnuss", um das Hufgeklapper zu imitieren? Die Vegetarier haben ihre Fake-Wurst fürs volle Fleischerlebnis, weil sie eben auch auf nix verzichten wollen, warum sollen sich die Klimaschützer nicht ebenfalls das authentische Feeling der Sünde gönnen dürfen, ohne tatsächlich zu sündigen? Den Touristen wird das folkloristische Traditionsgepferd, Tschuldigung: -gefährt ohne Pferdln halt nicht so taugen. Mit oder ohne Kokosnuss.

Hm. Sind Pferde nicht ein Naturprodukt? Schon. Aber trotzdem sehr unfreundlich zur Umwelt. Sie . . . Pardon: scheißen drauf. Auf jegliche Umwelt. Während der Strom sauber ist. Stubenrein. Und definitiv nicht stinkt. Das hab ich überprüft. Hab an einer Steckdose geschnüffelt. Werden die Fiaker nun alle aufgerüstet und ihre zwei PS arbeitslos? Können sich Letztere dann höchstens noch beim Fleischer um einen Job als Leberkäs bewerben? I wo. Der E-Fiaker ist ja überhaupt nicht als Konkurrenz gedacht. Nix für Touristen. Der macht Werbung. Und wofür? Na, offenbar für Strom. Für die E-Zapfsäulen der Wien Energie. Bald sollen bei uns 1000 neue herumstehen. Ach, und Stromliebhaber bringt der E-Fiaker zu jeder davon hin? Und ihn selber darf man streicheln und füttern? Die Leute sollen jedenfalls gefälligst endlich aufs E-Auto umsteigen. Seit es die Elektronen nimmer einzeln runterschluckt, geht das Tanken eh viel, viel schneller. Und wenn der Strom irgendwann knapp wird? Stellt man eben noch ein paar Ladestationen auf. Wir leben im Land am Strome, hallo?

Stromsparen war gestern. Außerdem kann man nicht an jeder Ecke einen E-Scooter aussetzen und den Menschen gleichzeitig immer noch sagen, sie sollen sich daheim die Beißerchen wieder mit der Handzahnbürste putzen und sich nass rasieren, obwohl sie zum (trockenen) Rasierapparat vielleicht gerade deshalb gegriffen haben, um Wasser zu sparen. Wer sich also inzwischen einen Rübezahlbart wachsen hat lassen: Den kann er sich getrost abrasieren. Elektrisch. Denn Strom ist gut fürs Klima. He, man sollte die Rolltreppe in E-Treppe umbenennen, damit jedem klar wird, dass die mit Strom betrieben wird und folglich die klimafreundliche Alternative zum Stiegensteigen ist.