Wer sich mit der Entwicklung von Städten beschäftigt, weiß: Der öffentliche Raum ist Herzstück des urbanen Lebens. Wie öffentliche Parks, Straßen und Plätze aussehen, entscheidet maßgeblich mit über die Lebensqualität in der Stadt, beeinflusst ganz wesentlich, wie wir uns in ihr bewegen, miteinander kommunizieren, uns im weitesten Sinne wohlfühlen.

Ebenso klar ist: Der öffentliche Raum ist nicht vermehrbar. Wenn auch die Zahl der Stadtbewohner - teils rasant - zunimmt, der zur Verfügung stehende Raum bleibt stets gleich. Er gibt die Grenzen des Machbaren vor, ganz konkret und faktisch. Ihn aufzuteilen, an die verschiedenen Nutzungsinteressen und wechselnden sozialen Verhältnisse anzupassen, kurzum: bei seinem Gebrauch lenkend einzugreifen, gehört zu den zentralen Aufgaben jeder Stadtverwaltung. Wobei stets aufs Neue Prioritäten zu setzen sind.

Die gegenwärtig in Wien und anderen Großstädten mitunter heftig geführte Diskussion über E-Scooter spiegelt genau dies wider. Mit unüberhörbarem Unmut stellen sich viele die Frage: Wem gehört eigentlich der öffentliche Raum? Wer setzt sich mit seinen Interessen durch? Und auf Kosten von wem?

Die Antwort sollte wohl sein: Der öffentliche Raum gehört uns allen. Und er ist ein zu kostbares Gut, als dass man ihn dem freien Spiel der Kräfte überlässt. Wenn nun vor allem die Innenstadtbereiche immer häufiger mit E-Scootern durchquert werden und diese wertvolle Freiflächen verparken, sei es stehend oder nicht selten auch liegend, kann das nicht im Sinne des Gemeinwohls sein. Bisweilen scheinen manche Straßenecken von den coolen Flitzern regelrecht zugemüllt. Mehr als 7000 elektrische "Tretroller" sind derzeit in Wien unterwegs.

Innerhalb eines Jahres hat sich ihre Zahl in Höchstgeschwindigkeit vervielfacht. Doch ist es legitim, dass finanzstarke Mobilitätsanbieter wie Lime oder Bird (insgesamt gibt es in Wien bereits acht Anbieter!) ihre Produkte gleichsam exzessiv im Stadtraum "abladen" ohne viel Rücksicht auf die Folgen, frei nach dem Motto "Der Stärkere setzt sich durch"? Sind wir einem derart usurpatorischen Digitalkapitalismus wehrlos ausgeliefert? Hoffentlich nicht!

Die raumbezogenen Nachteile des Gebrauchs von E-Scootern werden, ganz abgesehen von Sicherheits- und ökologischen Bedenken, immer offenkundiger. Nicht zufällig haben Metropolen wie New York oder Mailand sie bereits ganz aus der Stadt verbannt, und auch in München ist für die Dauer des Oktoberfestes ein strenges Verbot auf der Wiesn ausgesprochen worden.

Wien hat für den Herbst 2019 gesetzliche Nachjustierungen und strengere Regeln in Aussicht gestellt. Einer Stadt, die sich - mit Recht - rühmt, eine der saubersten der Welt zu sein, würde es gut anstehen, auch die Frage der öffentlichen Raumnutzung in ihre Überlegungen sorgfältigst miteinzubeziehen.