Hans-Paul Nosko, geboren 1957, lebt als Journalist und Glossist in Wien. - © Robert Newald
Hans-Paul Nosko, geboren 1957, lebt als Journalist und Glossist in Wien. - © Robert Newald

Jetzt ist es also doch so weit. Ein paar Tage noch, dann darf sich niemand mehr in einem Gasthaus, einem Café, nicht einmal beim Branntweiner eine Zigarette anzünden. Die Gründe dafür und dagegen wurden von Gastronomen beziehungsweise von deren Gästen mittlerweile erschöpfend dargelegt - "ausdiskutiert" wäre das falsche Wort, da das Thema eine zu große emotionale Komponente besitzt.

Eines der gewagtesten Argumente gegen das Rauchverbot habe ich erst unlängst gehört: "Wenn ich im Winter zum Rauchen das Lokal verlassen muss, hole ich mir eine Lungenentzündung, und daran sterbe ich schneller als am Nikotin." In diesem speziellen Fall ist Österreich gegenüber südlicher gelegenen Rauchverbots-Staaten wie Griechenland oder Zypern natürlich klar im Nachteil. Allerdings ist auch aus Ländern wie Island oder Norwegen bisher nichts von einem epidemischen Auftreten von Lungenentzündungen aufgrund des dort seit langem bestehenden Rauchverbots bekannt.

Aber lassen wir das. Es ist gut, dass es nun auch bei uns endlich so gekommen ist, verwunderlicherweise wurden allerdings ganz andere Fragen in diesem Zusammenhang bisher ausgespart. Wie wird es etwa künftig um die olfaktorische Vielfalt bestellt sein? Ich denke hier nicht an die rauchgeschwängerte Luft in einer gesteckt vollen Bar spätabends oder gar an die Schwaden, die am Morgen einem solchen Lokal entströmen, dessen Eingangstüre zum Auslüften offen steht. Diesen Gerüchen werden wohl nur Hardcore-Pofler nachtrauern.

Aber was ist mit dem Aroma eines kleinen Schwarzen, das sich mit dem einer frisch entzündeten Zigarette verbindet, oder der Duftnote des ersten Wölkchens, das einer soeben angerauchten Pfeife entsteigt und sich langsam seinen Weg zum Nachbartisch bahnt? Apropos: Wo wären die großen Detektive und Kommissare der Weltliteratur geblieben, wenn sie sich nicht ihre Pfeife hätten anstecken dürfen? Sherlock Holmes mit seiner messerscharfen Geisteskraft, Maigret samt seinem untrüglichen Spürsinn oder Philip Marlowe und seine illusionslose Abgebrühtheit - hoffnungslos aufgeschmissen allesamt ohne ihre Rauchrequisiten.

Und erst das Zwischenmenschliche. Wie viele Anbahnungsversuche begannen mit einer Zigarette? Da müssen wir nicht erst an Lauren Bacall in "To Have and Have Not" denken: Eine Zigarette im Mundwinkel und scheinbar absichtslos die Frage "Anybody got a match?" stellend, worauf Humphrey Bogart ihr eine Packung Streichhölzer zuwirft und dafür einen langen, intensiven Blick erntet.

Nun gut. Die Duftmischung von Zigarette und Espresso wird man ja noch immer auf Kaffeehausterrassen vernehmen, die Kommissare werden in Büchern und Realität ihre Fälle auch ohne Pfeife im Mundwinkel lösen oder eben nicht lösen, und Menschen werden einander auch rauchfrei kennenlernen - und das hoffentlich nicht nur über Internet-Plattformen.