Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.

Als ich unlängst mit dem Auto zu einem wichtigen Termin fuhr, geriet ich in einen Stau. Da absehbar war, dass ich mich verspäten würde, beschloss ich, der wartenden Frau ein SMS zu schicken. Laut Google Maps würde ich um eine Viertelstunde zu spät kommen, daher schrieb ich: "15 Min verspätet sry."

In solch einem Fall muss es recht schnell gehen, denn schon im nächsten Augenblick bewegt sich der Vordermann ein paar Meter im Schritttempo weiter, und wenn man nicht sofort losfährt, gibt es ein wildes Hupkonzert. "Es tut mir leid" sind viele Buchstaben, "sorry" sind weniger, und abkürzen kann man ja auch noch.

Heutzutage gibt es allerdings Textergänzungsprogramme. Diese glauben, immer alles besser zu wissen.

Auch in diesem Fall griff das Programm ein. Mit Staunen las ich am Display "15 Minuten verspätet Sex". Glücklicherweise war das SMS noch nicht abgeschickt. Ich konnte den Text noch ändern.

Weniger Glück hatte ich bei meiner letzten Kolumne. Ich wollte zeigen, dass der Konjunktiv im Dialekt nicht ungewöhnlich ist, auf einer hohen Sprachebene allerdings antiquiert klingen kann. Als Beweis fiel mir Beethovens Heiligenstädter Testament ein. Es hat den Schlusssatz: "Es fehlte nicht viel und ich endigte mein Leben..." Um genau zu zitieren, gab ich bei Wikipedia "Heiligenstädter Testament" ein und freute mich, auch im Satz davor einige Konjunktive zu finden. Ich wollte noch schreiben, dass sich Beethoven deshalb in der heutigen Probusgasse Nummer 6 niederließ, weil von dort die Badeanstalt in Heiligenstadt mit ihrem mineralhältigen Wasser einfach zu erreichen war. Er erhoffte sich von den Kuren eine Linderung seiner Gastritis-Beschwerden und eine Heilung seines fortschreitenden Gehörleidens. Dafür war dann nicht mehr genug Platz, ich musste kürzen. Zufrieden mailte ich den Beitrag der Feuilleton-Redaktion.

Am nächsten Tag bekomme ich ein Mail eines lieben Kollegen, er ist für die Veröffentlichung von Leserbriefen zuständig. "Haben wir alle dies übersehen?"

"WZ"-Leser Ewald Novak hatte darauf hingewiesen, dass sich in meine Kolumne ein grober Fehler eingeschlichen hatte. "Beethoven hat niemals ein ,Eisenstädter Testament‘ verfasst, gemeint war offenbar das berühmte "Heiligenstädter Testament". Ich hatte tatsächlich "Eisenstädter Testament" geschrieben, und ich kann mich nicht einmal auf ein Textergänzungsprogramm ausreden. Zerknirscht bekenne ich meinen Fehler ein und bitte meine Leser um Verzeihung.

Dass auch "alle anderen" in der Redaktion den Fehler übersehen haben, hängt wohl damit zusammen, dass unser Gehirn wie ein Korrekturprogramm funktioniert. Es bessert Fehler stillschweigend aus. Mit Schaudern erinnere ich mich an ein Erlebnis während meiner Tätigkeit als Buchverleger. Ehe ein Buch ausgeliefert wird, schickt immer die Druckerei einige Exemplare zur Ansicht an den Verlag. Der Text auf der Rückseite des Schutzumschlags enthielt das Wort "Österrreich". Wir alle im Verlag waren glücklich mit dem Cover und mit der Druckqualität. Als ich am Abend meiner Frau ein Exemplar zeigte, meinte sie lakonisch: "Sieht nett aus. Aber Österreich schreibt man nicht mit drei r."