Gerald Schmickl.ist redaktioneller Leiter der samstäglichen Print-Beilage "extra".
Gerald Schmickl.ist redaktioneller Leiter der samstäglichen Print-Beilage "extra".

Darin sind sich fast alle Medien einig, zuletzt sogar die journalistischen Antipoden von "Falter" und "Krone", Armin Thurnher und Michael Jeannée: Das Sondieren dauert zu lange, ist eine überflüssige Angelegenheit, da sich die politischen Kontrahenten persönlich gut und ihre jeweiligen Standpunkte lange genug kennen.

Tatsächlich werden diese (Vor-)Gespräche von Medien als verlorene Zeit gewertet, da das, was hinter verschlossenen Türen passiert und ausgehandelt wird, von ihnen nicht kommentiert - und vor allem nicht direkt gezeigt werden kann. Es ist eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen Politiker unter sich bleiben - und dabei, vielleicht, über jene Sachfragen reden, die Medien von ihnen zwar stets einfordern, durch ihre Inszenierungen aber konsequent verhindern.

Sondierungen wären dann eine Art Schutzraum, eine Quarantäne, um sich von all den Zumutungen und Zurichtungen, die die zahllosen (TV-)Wahlduelle erfordert haben, wieder zu reinigen und zu erholen. Das kann naturgemäß nicht im Interesse der Medien sein, die die Politik zu einem ihrer wichtigsten Unterhaltungsformate gemacht haben. (Selbst Privatsender wie Puls 24 - ein Ableger von Puls 4 - setzen neuerdings darauf.) Und da sind derlei Sondierungsrunden regelrechte Quotenkiller. Immer nur die gleichen dürren, nichtssagenden Statements - davor und danach.

Zum Glück gibt es noch die SPÖ und die FPÖ, die mit ihren internen Querelen - die eben nie intern bleiben - die medialen Anforderungen nach ständiger, soap-gerechter Erregung erfüllen. Was wäre etwa aus der TV-Übertragung eines "Nicht-Ereignisses" wie des Rücktritts und der sofortigen Fortführung der Übergangsregierung nach der Wahl geworden, wenn damals nicht zugleich H. C. Strache seine Pressekonferenz - zur Ruhigstellung seiner Parteimitgliedschaft - im Weinlokal abgehalten hätte!? Darüber konnte man im Studio wenigstens reden und spekulieren, während man fade Bilder von Ministern, die noch immer kaum wer kennt (auch der neue ORF-Jungstar nicht, da er sie mehrfach verwechselte), zeigen musste, wie sie zum Bundespräsidenten kamen, Hände schüttelten, Akten unterzeichneten - und wieder amtsgeschäftlich davongingen. Eine TV-Stunde der wahren Empfindung, um unseren Nobelpreisliteraten zu paraphrasieren (der, wenn die Politik schon auslässt, zumindest seinerseits für ordentlichen Erregungsüberschuss sorgt).

Sollte eine türkis-grüne Regierung tatsächlich zustande kommen, wird sich auch der Politsatire-Betrieb noch wundern, was alles nicht möglich ist. Denn auch dieses Segment der medialen Unterhaltungsindustrie ist mittlerweile zu einer dauerpräsenten Einrichtung geworden. Es gibt ja kaum noch TV-Abende, da nicht zumindest ein Politkabarett in einem der Programme läuft. Und da ist zu vermuten, dass vor allem die grüne Truppe in dieser Hin-Sicht deutlich weniger hergibt als Strache, Kickl & Co, die für Gagschreiber ein Glücksfall waren.

Wenn aber einmal nicht mehr genug Rohstoff nachwächst, den man satirisch abschöpfen kann, dann heißt es im TV-Politkabarett wirklich bald: Gute Nacht, Österreich!