Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur der "Wiener Zeitung".
Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur der "Wiener Zeitung".

Der Wunsch, einem begehrten potenziellen Partner zu imponieren - und ihm deshalb erst einmal aufzufallen -, sorgt nicht nur im (zwischen-)menschlichen Bereich dafür, dass Außenstehende mitunter den Kopf schütteln müssen. Die persönliche Neuerfindung unter Zuhilfenahme eines Haarschnitts, für den man den Friseur eigentlich einsperren müsste, latent ausartende Frustshoppingtouren, für deren Ausbeute ein Großraumtaxi nicht reicht, oder das freiwillige Akzeptieren im Grunde krimineller Leasingverträge sind dabei noch nicht die Spitze. Gnade dir Gott, wenn auch noch eine ausgewachsene Midlife-Crisis im Spiel ist! Manch einer soll sich schon um Haus und Hof gebracht haben, weil er hormontechnisch zu abgelenkt war, um sich an eine simple alte Bauernregel zu erinnern: "Liebe vergeht, Hektar besteht."

Im animalischen Bereich geht es diesbezüglich zwar deutlich weniger materialistisch zu als beim sogenannten Homo sapiens, das Umfeld ist dafür aber auch erheblich rechtsfreier, wenn schon um keine Spur weniger absurd.

Denken wir nur an den männlichen Hippopotamus, dessen Balztrick darin besteht, seinen Darm zu entleeren und die Exkremente mit seinem als Propeller benützten Schwanz durch die Gegend zu schleudern. Davon ist erstaunlicherweise zwar Frau Hippopotamus in spe beeindruckt, also wenn die Performance stimmt (verrückte Welt der Tiere!). Dass dadurch aber auch ein Massensterben von Fischbeständen eintreten kann, wie im Vorjahr von einem Forschungsteam der Universität Yale nachgewiesen, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Liebe und Nachhaltigkeit, ein seltsames Kapitel.

Aktuell wiederum macht uns der in Südamerika beheimatete, auch als Zapfenglöckner bekannte Einlappenkotinga staunen. Diese halbe Portion mit knapp einem Viertelkilo Lebendgewicht sorgt mit sage und schreibe 125 Dezibel für den lautesten Paarungsruf im Vögelmilieu. Das ist lauter als ein Presslufthammer oder eine Kreissäge und nur unwesentlich leiser als ein Flugzeugstart. Das Einlappenkotinga-Weibchen muss einem also leidtun. Immerhin entlässt das männliche Alphatier seinen gar nicht stummen Schrei nach Liebe mitten in ihr Gesicht. Von wegen "Piepmatz"!

In Sachen Tier-Mensch-Analogie fällt mir übrigens ein, dass ich einmal auf einem als Rockfestival getarnten Trinkgelage beobachten musste, wie ein menschliches Jungmännchen mit langen Haaren und Metallica-T-Shirt gutturale Grunz- und Gröllaute in das Gesicht seines weiblichen Gegenübers entließ. Das war kein schöner Anblick, hatte aber tatsächlich zur Folge, dass Zungen animalisch in Hälsen verschwanden. Es kam zu Schmatzgeräuschen. Ich finde, Einlappenkotinga wäre ein hervorragender Name für eine Metal-Band. Über allen Wipfeln ist Ruh’? U-arrgh!!