Gewonnen! Und diesmal wirklich. Seit einer Woche ist es nämlich tatsächlich in Kraft, das Rauchverbot in der Gastronomie. Okay, ich hab die Tschick vielleicht nicht persönlich ausgetötet, aber immerhin hab ich eigenhändig . . . der siegreichen Mannschaft ganz fest die Daumen gedrückt. Und offenbar hat’s was gebracht. Hm. Und warum fühlt es sich dann trotzdem so an wie ein Sisyphussieg? (Heißt das nicht "Pyrrhussieg"? - Nein, wieso? - Na, weil der Sisyphus nie gewonnen hat. Der Gipfel, den er auf den Berg gerollt hat, ist immer unmittelbar vorm Ziel ins Tal zurückgekollert. - Eben.)

Die haben den Raucherbereich also kurzerhand vors Lokal verlegt. Direkt davor. Im Ernst? Jetzt muss ich beim Betreten einer Gaststätte die Luft anhalten? Und zwischen den Rauchern und Nichtrauchern ist wieder nur eine simple Tür, die dauernd auf- und zugeht? Was soll daran, bitte, besser sein als vorher? Und erneut hat keiner an die Luftschleuse gedacht. Den Einbau einer solchen vorzuschreiben. Müssen die ehemaligen "Gaskammern" wenigstens dekontaminiert werden? Das ist schließlich verseuchtes Gebiet. Wie Tschernobyl. Oder zündet man einfach ein paar Duftkerzen an? (Welche Halbwertszeit hat eigentlich der Feinstaub?)

Und seit ich gelesen habe, dass Zigaretten nicht bloß für den Menschen schädlich sind, sondern für die Umwelt genauso, und dass Wissenschafter deshalb sogar schon fordern, dass man den Rauchern was abschneiden soll, würde ich draußen sowieso am liebsten mit einer Schere herumlaufen. Den Rauchern was abschneiden? Äh, und den Raucher-innen? Denen natürlich ebenfalls. Sonst wär’s ja sexistisch. Ach, damit sie endlich aussterben und sich die düstere Prophezeiung, die auf den Tschickpackln steht, nimmer bewahrheiten kann? ("Kinder von Rauchern werden oft selbst zu Rauchern.") Blödsinn. Um das Verbot von Filterzigaretten geht’s, hallo? Der Filter soll ihnen weggeschnipselt werden. Weil der aus Plastik ist. (Ja? Sieht man ihm gar nicht an.) Noch dazu aus diesem schwer abbaubaren Celluloseacetat. Von dem wird nun noch viel mehr in die Umwelt gelangen. He, und wenn die Wirte Aschenbecher vor ihre Türen stellen? Werden immer noch genügend Leute ihre Zigarettenstummel auf den Boden werfen. Oh, womöglich wird das Rauchverbot eine Umweltkatastrophe auslösen. (In der Stadt? Welche Umwelt? Die in den kargen Einzelzellen für die Bäume? Oder die im "Begleitgrün"?)

In einem Strohröhrl ist lediglich Luft drin (mit ein paar Tropfen Aperol Spritz oder Cola) und das verbietet die EU, ein gebrauchter Zigarettenfilter enthält jede Menge Schadstoffe, Gifte und krebserregende Substanzen, Arsen, Blei, Teer, und der bleibt erlaubt. Arsen? Blei? Kein Wunder, dass Billionen von ausgetretenen Tschick liegenbleiben. Ist sicher total ungesund, sie mit bloßen Händen aufzuheben und zum nächsten Mistkübel zu tragen. Und wenn die Raucher zur Entsorgung ihrer Hinterlassenschaften ein Gackerlsackerl verwenden täten? Ist eh gratis. Und die Stadt Wien könnte uns wieder mit ihrer Verskunst erfreuen: "Loss dein’ Stummel / ned liegen herummel." Herummel? Na ja, sonst reimt es sich halt nicht. Nein, lieber doch abschneiden. Ist besser für die Natur und die Literatur. Und die Raucher? Müssten nimmer dieses berüchtigte Mikroplastik inhalieren. He, Rauchen wird gesünder! (War das nicht die Aufgabe vom Filter?)