Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

Wenn sich "liebe und gute, persönliche Freunde" treffen, resultiert daraus entweder ein sehr schöner Abend für alle Beteiligten oder die Staatschefs von Ungarn und der Türkei haben ein Tête-a-tête miteinander. Das ist weniger schön, aber erhellend. Schon 2013 hat ja Orban über Erdogan gesagt "Wir wollen alle sein wie er."

Also heute 65 Jahre alt, Chef eines Staates, der der Pleite zusteuert und in einen Bürgerkrieg in einem Nachbarland verstrickt ist. Da sollte man als Österreicher hellhörig werden. Vielleicht will Orban (56) in neun Jahren im Burgenland einmarschieren, weil ihn die dort ansässigen Kroaten stören. Und sein Staat pleite ist.

Der Puszta-Populist ist immer für eine Überraschung gut. So sagte er kürzlich laut "NZZ": "Wir leben seit tausend Jahren in dem Dreieck zwischen Istanbul, Moskau und Berlin." Wirklich, Vickerl? Mal abgesehen davon, dass die erste urkundliche Erwähnung Moskaus aus dem Jahre 1147 (also vor 872 Jahren) stammt und die von Berlin 1237 (als von vor 782 Jahren), nannte man vor 1000 Jahren Istanbul noch ganz anders. Nämlich Konstantinopel.

Aber so sind sie, die Verteidiger des Abendlandes, führen gern mal tausende von Jahren im Mund, haben aber von Geschichte keine Ahnung. Der ziemlich beste Freund von diesen beiden besten Freunden ist ja Wladimir Putin. Der möchte jetzt ein russisches Wikipedia ins Netz stellen. Da sollen nämlich endlich "verlässliche Informationen" drinstehen. Wahrscheinlich wie hoch die Anzahl von Schnittblumen pro Insasse in den Gulags der UdSSR war. Oder wie viele Kriminologen auf einen Einwohner der Krim kommen. Wie orthodoxe Wunderheiler drei sibirische Ziegenböcke von ihrer Homosexualität befreit haben. Oder warum Wladimir Putin den nächsten Literaturnobelpreis bekommen muss. Denn niemand erzählt so fantastische Geschichten wie er.

Apropos: Peter Handke sagt, er hätte gar keine jugoslawische Staatsangehörigkeit und den aufgetauchten serbischen Pass hätte er nur zum Reisen benutzt. So was aber auch, ich hätte geglaubt, den würde man zum Staubsaugen brauchen. Interessanterweise hat er all diese Aussagen bis zum Redaktionsschluss ausschließlich serbischen Zeitungen gegenüber getätigt.

Aber man sollte das nicht so hoch kochen. Schließlich hat auch seinerzeit der Skispringer Andreas Goldberger seinen serbischen Pass dann wieder zurückgegeben. Der hat den nur zum Fliegen gebraucht. Vorschlag zur Güte: Wir vergessen das mit dem Pass. Dafür gibt der Handke den Nobelpreis dem Goldi und der schenkt dem Peter dafür seine beiden bronzenen Olympiamedaillen. Alle sind glücklich und - wer weiß - vielleicht werden aus dem Peter und dem Goldi auch noch "liebe und gute, persönliche Freunde".

Keine Freunde dagegen sind mehr die größte Tageszeitung des Landes und die FPÖ. Die Entfremdung ist mittlerweile so weit gediehen, dass sogar der FPÖ-Generalsekretär und Mediensprecher Hafenecker in einem offenen Brief sein Abo gekündigt hat. Weil das Blatt sei seit einigen Wochen "von ihren tugendhaften Eigenschaften, wie etwa Objektivität oder Seriosität schon einige Meilen weit entfernt".

Wo er das wohl her hat? Vielleicht aus der russischen Wikipedia.