Mein Bankberater mag gar nicht verstehen, warum ich mich so sehr gegen das moderne Leben wehre. Ich bin sein einziger Kunde, sagt er, der noch mit Erlagschein überweist. Alle anderen holen sich ihr Konto längst schon über das Handy ins Haus. Das ist praktisch, zeitgemäß und sicher nämlich auch. Ein Bestätigungscode wird dorthin geschickt und ein anderer Bestätigungscode dahin, so begreift jeder gleich, was los ist und die Betrüger bleiben draußen vor der Tür. Kann quasi gar nichts mehr passieren, sagt mein Bankberater. Was er mit quasi meint, frage ich. Mein Bankberater lächelt müde.
Dabei geht es mir eh gar nicht so sehr um das internationale Verbrechertum. Einen Computerhacker, der das Konto vom Krobath knackt, den schicken sie sowieso gleich wieder zurück auf die Räuberschule. Dem fehlt einfach der Weitblick in diesem Gewerbe. Die Gauner sind mir egal. Mir geht es um die Arbeitsplätze. Ich habe eine kleine Bankmaschinenhalle beim Naschmarkt, in der ich meine Überweisungen tätige. Dort sitzt eine junge Frau (ab und zu auch ein junger Mann), die lächelnd hilft, wenn die Maschine oder ich die Nerven verlieren. Die junge Frau ist keine Stimme aus dem Callcenter. Sie sitzt wirklich da. Ich finde das beruhigend.
Mag nämlich wirklich sein, dass ich ein altmodisches Verhältnis zu Banken habe. Das sind die Nachwirkungen vom Überfall. Vor vielen Jahren, als es in allen Banken noch mehr Menschen als Maschinen gab, bin ich einmal zufällig zwischen einer Schrotflinte und der Schalterfrau gestanden. War eh kein Blut zu beklagen, aber trotzdem, kaum war der Räuber weg mit dem Geld, langes Warten auf die Zeugenaussage bei der Polizei. Der Überfall fand kurz nach Weihnachten statt. Zur Nervenberuhigung gab es, was von der Betriebsfeier übrig geblieben war. Wenn ich an Banken denke, dann habe ich staubtrockene Weihnachtskekse im Kopf. Das geht sich mit Bestätigungscodes nicht aus.