Bisher hab ich ja nur die Fünf-Sekunden-Regel gekannt: Wenn einem was runterfällt und man es aufhebt, bevor fünf Sekunden um sind, kann man’s angeblich getrost noch essen. Sofern man es bereits vorher essen konnte, natürlich. (Seeehr witzig. Die fünf Sekunden brauch ich schon, um auf meinem Handy die Stoppuhr zu aktivieren.) Anscheinend existiert aber auch eine 90-Sekunden-Regel.

Wegen dem Klimaschutz? Damit weniger Lebensmittel im Müll landen, kann man die nun länger direkt vom dreckigen Boden jausnen? Blödsinn. (Pfui!) Die Regel bezieht sich auf die Zigaretten, hallo? Ach, die kann man sich nach 90 Sekunden Bodenkontakt immer noch gefahrlos in den Mund stecken? Wieder falsch. Wenn jemand zum Rauchen vor die Tür geht, soll man ihn vielmehr erst 90 Sekunden, nachdem er den Tschick längst ausgedrückt hat, wieder reinlassen. Denn so lange kann er noch Giftgas ausatmen. Kann er einen mit seinem Todesatem anhauchen. Gegen den "Third Hand Smoke" hilft die 90-Sekunden-Regel freilich herzlich wenig. Wenn die Raucher den brennenden Tschick also in ihrer dritten Hand verstecken? (Denen wächst eine dritte Hand?) Nein, "Rauch aus dritter Hand" bedeutet, dass Raucher, selbst die "Draußenraucher", rückständig sind. Tschuldigung: dass ihre Haare, ihr Gewand, ihre Haut schädliche Rückstände aufweisen und sie ihre Umwelt (und ihre Kinder, Partner, Haustiere, die später Asthma und Bronchitis kriegen) mit diesem toxischen, karzinogenen Feinstaub bestäuben. Moment: Haut? Heißt das, ich kann vom Händeschütteln und Bussi-Bussi-Wangenreiben mit den Rauchern irgendwann Asthma oder gar Lungenkrebs bekommen?

Okay, vor der dritten Hand wird eh seit Jahren gewarnt. Wie grad erst diesen Dienstag in einem Gratisblatt, das nach einem Tag in der Gegenwart benannt ist, nämlich nach dem Morgen von gestern beziehungsweise dem Gestern von morgen: "Rauchen am Balkon bringt die Giftstoffe auch in die Wohnung." Und offenbar hat sich das inzwischen bis in die Kinderzimmer herumgesprochen. Eine Kurzmeldung ein paar Seiten davor klingt jetzt jedenfalls plötzlich nach Notwehr: "Die Gute-Nacht-Zigarette wurde einer Frau (37) in Bischofstetten (NÖ) zum Verhängnis: Ihr Kind (9) verriegelte die Balkontür und reagierte nicht auf ihr Klopfen. Beim Versuch, vom 2. Stock hinabzuklettern, stürzte sie ab." Ein anderes Blattl (jenes, das wie ein ortsansässiges Land mit neun Bundesländern und zehn Buchstaben heißt), das schreibt zwar, der Bub hätte das "unwissentlich" getan, also nicht, um die Mama ein bissl auszulüften. Aber unbewusst vielleicht? Hm. Besser nie ohne Handy auf den Balkon tschicken gehen. Dann kann man wenigstens die Feuerwehr rufen.

Eine rauchfreie Gastronomie gibt’s. folglich überhaupt nicht. (Oder einen rauchfreien Arbeitsplatz.) Wird alles nach der Rauchpause wieder eingeschleppt. He, könnten kellnernde Raucher und -innen bitte Haarnetze tragen? Nicht, dass ihnen ein kontaminiertes Härchen ausfällt und dieses am Gast (an mir) hängen bleibt. Und man soll endlich Schilder an den Eingängen anbringen: "Wir ersuchen Sie, nach dem Rauchen 90 Sekunden bis zum Wiedereintritt zu warten!" Wobei: Was macht man die ganzen 90 Sekunden vor der Tür (außer sich fadisieren)? Das sind eineinhalb Minuten! Der Heinz wüsste da schon was: "Ane rauchen."