Es gehört zu den schönen Seiten des Österreicher-Seins, dass man in Zeitungen oder auf Internetseiten lesen darf und über heiße innenpolitische Debatten stolpert, die sich um das Wort "Schneebrunzer" drehen. Anderswo würde man solche Kausalitäten am Wirtshaustisch oder auf der Blutwiese austragen oder sie gar ignorieren. In Österreich aber geht man damit vor Gericht und erörtert: Wer ist der wirkliche Schneebrunzer? Wer hat eigentlich Schneebrunzer gesagt? Wer hat überhaupt verlautbart, dass wer über wen gesagt hat, dass er ein echter Schneebrunzer ist?

Ich möchte da noch mehr wissen: Muss denn der Schneebrunzer zwingend ein Mann sein? Wie sieht es denn mit der Schneebrunzerin in unserer Gesellschaft aus? Was bedeutet das Schneebrunzen für den Wintersport? Handelt es sich um Kunstschneebrunzer oder Naturschneebrunzer? Gibt es den Neuschneebrunzer? Was macht der Schneebrunzer im Sommer? Was in der Lawine? Was ist die Rolle des Schneebrunzers im Klimawandel? Brauchen wir ein neues Angebot für die Schneebrunzer in unseren Bergen? Muss man dafür wieder einen Gletscher wegsprengen?

Ich bin mir sicher, solche Fragen werden in anderen Ländern nicht sehr häufig diskutiert.

Die haben ganz andere Probleme. Aber auch mit Schnee. An der französischen Atlantikküste etwa werden seit Wochen Pakete mit Kokain angeschwemmt. Wer also gerade am Strand in Frankreich Notdurft verrichtet, kann unfreiwillig zum Schneebrunzer werden.

Man stelle sich das vor: Der Fischer kommt mit voller Blase und leerem Boot von der Ausfahrt zurück, entleert sich nichts ahnend auf ein unförmiges, weißes Strandgut und - zack! - ist er ein Schneebrunzer. Und wenn er Franzose ist, kann er das nicht einmal aussprechen. Ist sich also seines Schneebrunzer-Daseins gar nicht bewusst. Denn er hält das Ding für den üblichen Plastikmüll, den es in ein paar Jahren Prognosen zufolge häufiger im Meer geben wird als Meeresgetier.

Das wirft weitere Fragen auf: Welcher freundliche, südamerikanische Verladespezialist lässt sich gerade die Haare färben und einen gefälschten Pass machen, weil er das mulmige Gefühl nicht loswird, sein Auftraggeber aus schönen, schneebedeckten Andenlanden könnte ein wenig unentspannt sein? Was einen zu neuen Fragen führt: Ist der ein Schneebrunzer, der auf den Schnee brunzt? Oder doch eher der, der den Schnee aus sich hinaus brunzt? Es gibt ja Studien, die das Abwasser nach Drogenrückständen untersuchen. Da kann man dann sehen, wo am meisten ins Abwasser gelangt. Und wo sind die Schneebrunzer zu Hause? In Barcelona, Amsterdam und Zürich.

Das sind natürlich Zahlen aus den vergangenen Jahren. Ich wette, dass etwa die Atlantikküste) in den nächsten Jahren massiv aufholen wird. Was also macht den Schneebrunzer zum Schneebrunzer? Der Niederschlag, der Naseninhalt oder doch die Notdurft? Man sollte das alles folglich entspannter sehen mit den Schneebrunzern. Vor allem wegen der vorher erwähnten Drogenstudie. Da wurde Österreich nämlich gar nicht untersucht.