Für die Überschrift kann übrigens der "Kurier" das Copyright beanspruchen. Es geht darum, dass der seinerzeitige FPÖ-Obmann und Vizekanzler Heinz-Christian Strache auf Ibiza den "Österreich"-Herausgeber Wolfgang Fellner als "Schneebrunzer" bezeichnet haben soll. Wie ich der Boulevardpresse entnehme, geht allerdings in dem Medienprozess nichts weiter. Der Hauptzeuge Strache hat eine bedauerliche Gedächtnislücke. "Wenn man sieben Stunden irgendwo redet", rechtfertigte er sich vor dem Landesgericht, "womöglich in einem nicht nüchternen Zustand", das nennt man Rausch, "kann man sich nicht an alles erinnern." Wie kam es zu dem Verfahren? Die Zeitung "Heute" hatte bei Erscheinen eines Enthüllungsbuchs berichtet, Strache habe Fellner in einer bisher nicht öffentlich gemachten Sequenz des Videos als "Schneebrunzer" bezeichnet. Daraufhin hat Fellner einen Prozess gegen "Heute" angestrengt. In dem Buch der zwei Aufdecker wird Fellner allerdings nicht namentlich erwähnt. Dort ist nur von einem "Schneebrunzer von der Boulevardzeitung Österreich" die Rede, über den Strache sich abfällig geäußert haben soll. Da die zwei deutschen Journalisten, die das ganze Video haben, vor Gericht noch nicht erschienen sind, können wir nur spekulieren: Hat er oder hat er nicht? Und wen genau hat er gemeint?

Sollte das geklärt sein, könnte es in der Folge um die Frage gehen, ob "Schneebrunzer" eine üble Nachrede ist. Dazu möchte ich mich schon jetzt als Sachverständiger anbieten. In meinem "Wörterbuch des Wienerischen" kann man nachlesen, was von dem Wort zu halten ist. Erstens ist ein Mann gemeint, der sein Wasser im Schnee, also im Freien, abschlägt. Zweitens ein seniler Mann, der sein Wasser nicht halten kann. Drittens ein vertrottelter Greis. Die erste Bedeutung ist eine Folge der zweiten: Wer sein Wasser nicht halten kann, wird sich überstürzt in der freien Natur erleichtern. Die dritte Bedeutung ist eine Folge der ersten zwei: Wer das tut, ist alt und vertrottelt.

Schneebrunzer kann nur ein Mann sein, keine Frau. Das Wort muss also im Plural nicht gegendert werden. Außerdem ist ein höheres Alter vorausgesetzt - ein Jüngling ist kein Schneebrunzer. Als gewissenhafter Lexikograf habe ich die Eintragung mit einem Beleg versehen, um zu zeigen, wie der Ausdruck funktioniert. Das Zitat stammt aus der 15. Folge der Fernsehserie "Kaisermühlenblues". Ernst Hinterberger ließ die Frau Turecek mit dem alten Kudrnac in einen Streit geraten, worauf die Hausmeisterin schließlich sagt: "Verklagen S’ mi halt, Sie alter Schneebrunzer!" Der ist auch nicht auf den Mund gefallen: "So was sagt die, über die schon ganz Kaisermühlen drübergfahren is’!" Das Beispiel zeigt, dass das Substantiv "Schneebrunzer" oft mit dem Adjektiv "alt" versehen wird, obwohl dies eigentlich gar nicht notwendig ist. Das passiert öfter. Es soll auch Menschen geben, die in Erregung "Du deppata Depp, du!" sagen.