Mein Auto hat eine grüne Nummer, also eine weiße Tafel mit grüner Schrift. Dieses Kennzeichen gilt hierzulande für Fahrzeuge, die rein elektrisch betrieben werden oder mit Wasserstoff-Brennstoffzellenantrieb fahren. Meines fährt mit Strom, und da ich nur mit Ökostrom lade, hat es eine CO2-Bilanz, die der eines Tretautos gleichkommt. Manchmal werde ich auch so angesehen, als sei ich mit einem Tretauto unterwegs (herablassend skeptisch). Oder als sei ich ein Alien, der sich mit seinem Raumschiff aus dem Weltraum auf Österreichs Straßen verirrt hat (bewundernd-interessiert, aber ebenfalls skeptisch).

"Wie weit kommst du damit?", ist die häufigste Frage, die mir gestellt wird. - "So weit ich will", antworte ich. Stimmt ja auch, ich muss nur zwischendurch laden, wie die Verbrenner tanken müssen. Da mein Auto ein Mittelklasse-Modell mit Baujahr 2014 ist, kommt es mit einer vollen Ladung ungefähr 230 Kilometer weit. "Das ist aber wenig", heißt es dann mitleidig, "und dann musst du stundenlang laden? - "Ich hänge das Auto an einen Schnelllader, setze mich eine halbe Stunde in die Raststätte, trinke einen Kaffee und notiere mir in dieser Zeit ein paar Gedanken für die nächste Kolumne", erkläre ich.

Wenn jemand mit mir über E-Autos diskutieren will, komme ich auch mit der Kolumne nicht weit. Oft folgt eine Lithium-Debatte. Und die Debatte über die brennende Batterie, die sich nur mit enormem Aufwand löschen lässt. Und die Kosten-Debatte. Darauf bin ich vorbereitet. Ich rechne die vergleichenden Auto-Haltungskosten vor und zitiere Untersuchungen des Karlsruher Institutes für Technologie, die feststellen, dass der ökologische Fußabdruck von Elektroautos inklusive Produktion viel kleiner ist als der von Autos, die fossile Energiequellen nutzen. Bei Verbrenner-Gurus bleibt aber oft nur Ironie. Wenn die Diskussion zu emotional wird, erlaube ich mir, darauf hinzuweisen, dass wir durch Reden und heftiges Atmen mehr CO2 ausstoßen als mein Auto.

Auch der Handel mag keinen Wandel: Wenn sich ein Kunde in Österreich für ein Elektrofahrzeug interessiert, kauft er mit hoher Wahrscheinlichkeit schließlich doch ein Auto mit Verbrennermotor, weil der Händler ihm das eine aus- und das andere einredet. So kommen heuer auf 240.000 Neuzulassungen mit konventionellen Antrieben nur fast 8000 Neuanmeldungen von E-Autos (Tendenz allerdings steigend). Insgesamt wurden in Österreich bisher nur knapp 30.000 vollelektrische Autos angemeldet. Trotz des Medienhypes um neue Mobilitätslösungen - mit E-Antrieb ist man vorläufig noch ein Alien auf den Straßen.

Manchmal komme ich mir selber vor wie aus einer anderen Welt. Als ich einmal nachts an eine viel besuchte Ladestelle kam, hingen die E-Autos ringsum an den Stromkabeln und die Supercharger blinkten geheimnisvoll, während die Lenker am Steuer saßen und still warteten. Das war dann tatsächlich ein Anblick wie aus einem Science-Fiction-Film.