Draußen tu ich dem Klima ja eh nix. Ich will nicht einmal mit ihm spielen. Jedenfalls bewege ich mich total klimafreundlich fort: per pedes. Und sonst nutze ich halt strombetriebene Fahrzeuge. Die U-Bahn, die Bim. Einen E-Scooter würde ich allerdings nie freiwillig besteigen. (Vorher müsste man mir ein Bein ampu- . . . eingipsen.) Tät ich mich genieren. Schließlich hab ich zwei Beine, hallo? Und könnte mich daher locker selber antreiben. Das Einzige, was ich für das Klima also noch tun könnte, wäre: nackert auf die Straße zu gehen.

Nackert? Wieso? Na ja, weil ich genau dasselbe Problem habe wie die Frau in diesem Cartoon, die textilfrei vor ihrem vollen Kasten steht und jammert: "Ich hab nichts CO2-Neutrales anzuziehen." Hm. Früher hat man "Wetter" dazu gesagt, wenn’s geregnet hat. Heute ist es immer gleich das Klima. Und schlechtes Wetter hat es sowieso keins gegeben. Nur unpassende Kleidung. Aber inzwischen, im Jahr 16 n. Gr. (nach Greta), ist praktisch jede Kleidung unpassend. Egal, wie das Wetter ist. Denn selber fahr ich vielleicht nicht mit dem Auto, mein Gewand tut das dafür umso fleißiger. Wenn es mir geliefert wird. Und eigentlich schon davor. Made in Bangladesh, Cambodia, China (wobei: Aus China kommen die Sachen ja mit dem Schiff, oder?), Turkey, Macedonia . . . (Mazedonien? Fast ums Eck.) Auf keinem Etikett steht zumindest "Made in Austria" (oder besser noch: "Made in Alsergrund"). Irgendwie ironisch. Ich flieg nirgends mehr hin wegen der "Flygskam" (schwedisch für Flugscham), und daneben machen meine Anziehsachen eine Weltreise. Ohne mich. Super.

Im Offline-Shop könnte ich das Zeug freilich wenigstens vorher anprobieren. Und müsste mir nicht dauernd mehrere Größen zusenden lassen und nachher die Hälfte zurückschicken. (Und wenn endlich was passt, ist es fürs Klima ohnedies wieder unpassend.) Noch dazu ist ab einem Bestellwert von 75 Euro die Zustellung gratis. Wär ich doch blöd, wenn ich lediglich ein Pulloverl in den Warenkorb legen würde. Und Versandkosten zahlen. Und warum bestelle ich überhaupt noch etwas online? Ich mag eben keine Umkleidekabinen. Klaustrophobie? Nein, Schamgefühl. Heutzutage wird man ja überall überwacht. Und die Kabine immer zuerst nach versteckten Kameras absuchen zu müssen, ist echt kein entspannendes Einkaufserlebnis. Da geh ich lieber nackert raus.

He, muss ich womöglich gar nicht. Im Gegenteil: Ich sollte mein G’wand zehnmal am Tag wechseln und drei Schichten übereinander tragen. "Es freut uns, dass du deine gesellschaftliche Verantwortung aktiv wahrnimmst", schreibt mir nämlich ein Versandhändler. Und: "Danke für dein Engagement!" Anscheinend hab ich ein "GOODproduct" erworben. Und damit eine Initiative unterstützt, die irgendwo in Afrika für die armen Baumwollbauern Brunnen baut. Und Sanitäranlagen. (Klos?) "Als Dankeschön für deinen nachhaltigen Einkauf schenken wir dir einen 15-Gutschein für deine nächste Bestellung." Den lös ich doch sofort ein. Andere mögen die Entwicklungshilfe kürzen, ich stehle mich sicher nicht aus meiner gesellschaftlichen Verantwortung. In Zukunft werde ich für zwei bestellen. Heinz: "Des mochst schon jetzt." Okay, dann halt für drei. Was? Der Pullover hat bloß 50 Prozent Baumwollanteil? Muss ich notgedrungen zwei nehmen. Und das Klima? Ach, das retten bereits so viele andere. Jeden Freitag.

Inzwischen ist sowieso jede Kleidung unpassend. Egal, wie das Wetter ist.