In meinem nächsten Buch geht es um Sprachwitze. Darunter verstehe ich Witze, die auf den Doppelsinn eines Wortes beziehungsweise auf den Gleichklang zweier Wörter aufbauen, oder Witze, die auf Sprachliches rekurrieren.

Beim Sammeln von Witzen bin ich oft auf Dreizahlwitze gestoßen. Kennen Sie den? "Ein Sizilianer geht in Palermo in eine Disco und hat ein T-Shirt an, auf dem steht: ,Türken haben 3 Probleme‘. Ein Türke kommt auf ihn zu und fragt: ,Ey, was soll das?‘ Der Sizilianer antwortet: ,Siehst du, das ist euer erstes Problem, ihr seid viel zu neugierig.‘ Der Türke geht und kommt nach ein paar Minuten mit einem zweiten Türken zurück und die beiden schubsen den Sizilianer herum. Der Sizilianer sagt: ,Siehst du, das ist euer zweites Problem, ihr seid viel zu aggressiv.‘ Die Türken ziehen ab. Der Sizilianer tanzt noch eine Stunde und geht dann aus der Disco. Draußen warten fünf Türken, jeder zieht ein Messer. Der Sizilianer: ,Seht ihr, das ist euer drittes Problem, ihr kommt mit Messern zu einer Schießerei!‘"

Warum ist in vielen Witzen die Dreizahl der tragende Pfeiler? In der Logik des Erzählens - im Märchen, in der Literatur und auch im Witz - geht es häufig um drei Einheiten, drei Themen, drei Aufgaben.

Die Zahl drei steht für die Trinität - Vater, Sohn und Heiliger Geist -, für die Urform der Familie - Mutter, Vater und Kind -, und für die Erkenntnisgewinnung - These, Antithese und Synthese. Wir sagen "Aller guten Dinge sind drei." Nicht zwei und nicht vier. Unser Buchstabensystem bezeichnen wir mit den ersten drei Buchstaben als ABC.

In einem Märchen, aufgezeichnet von den Brüdern Grimm, hilft ein kleines Männchen der Müllerstochter, Gold zu spinnen. Am ersten Tag verlangt es als Gegenleistung ihr Halsband, am zweiten ihren Ring und am dritten das erstgeborene Kind. Als das Kind geboren ist, macht das Männchen eine Konzession: Wenn es die Mutter schaffe, in drei Tagen seinen Namen herauszufinden, dürfe sie ihr Kind behalten. Am dritten Tag bekommt sie den Hinweis, dass das Männchen Rumpelstilzchen heißt. Als es wiederkommt, fragt die Mutter: "Heißest du Kunz?" - "Heißest du Heinz?" - "Heißest du etwa Rumpelstilzchen?"

In Schillers Ballade "Die Bürgschaft" muss Damon drei Aufgaben bewältigen, an jedem Tag eine, um seinen Freund, der für ihn bürgt, vor der Hinrichtung zu retten. Als er glaubt, zu spät zurückgekehrt zu sein, will er seinem Freund in den Tod folgen. "Das rühme der blutge Tyrann sich nicht / Dass der Freund dem Freunde gebrochen die Pflicht / Er schlachte der Opfer zweie / Und glaube an Liebe und Treue." Der Tyrann ist gerührt: "Ich sei, gewährt mir die Bitte, / In eurem Bunde der Dritte."

In Uhlands Gedicht "Der Wirtin Töchterlein" sind drei Burschen mit dem Tod der Wirtstochter konfrontiert. An der Totenbahre klagt der erste und weint der zweite, der dritte sagt: "Dich liebt ich immer, dich lieb ich noch heut / und werde dich lieben in Ewigkeit."

Die Dreizahl symbolisiert Vollständigkeit - und das Dritte ist der Höhepunkt, es übertrumpft die ersten zwei. Ein Kontrast zum binären System der Computersprache, in der die Zweizahl regiert: 1 und 0.