Als ich kürzlich einmal fernsehen wollte, was in den vergangenen zehn Jahren sehr selten vorkam, ließen sich keine Sender einstellen, und das schwarze Kästchen, das als Bindeglied zwischen Kabelanschluss und TV-Gerät fungiert, blinkte hektisch rot. Also steckte ich das Ding ab und ging in den "Shop", um das Kästchen tauschen zu lassen. Mit der Begründung, dass da ja ein jeder kommen könne, wurde ich wieder nach Hause geschickt, mit dem Auftrag, die Hotline anzurufen.

Ich richtete mich also auf eine längere Sitzung ein, machte mir eine Kanne grünen Tee und rief an. Recht bald hatte ich eine Dame am anderen Ende, der ich mein Begehr schilderte. Es dauerte nicht lange und sie forderte mich auf, auf der Fernbedienung die Taste für "Einstellungen" zu drücken. Als ich ihr sagte, da wäre keine solche Taste, sagte sie etwas enerviert, ob ich nicht meinen Sohn oder meine Tochter bitten könne, mich zu besuchen, damit er oder sie mir den Fernseher einrichte!?

Ich versuchte, den Eindruck zu zerstreuen, dass ich durch mein Alter behindert, möglicherweise nicht geschäftsfähig sei. Also ließ sie sich erweichen und wir fuhren fort. Irgendwann, mein Tee war längst ausgetrunken, sagte sie, sehr wahrscheinlich sei das "Kästchen" kaputt, also die "Mediabox", wie sie mich vorher streng zurechtgewiesen hatte. Also schicke sie mir einen Techniker. Ob es in diesem Fall nicht angesagt sei, einfach das Kästchen zu tauschen? "Wenn ich Sie wäre, würde ich das so machen, wie ich vorschlage", sagte sie. Wann denn der Techniker käme? Sie riefe mich zurück. Nach etwa einer Stunde rief sie tatsächlich an, allerdings konnte sie mir nicht sagen, wie das mit dem Techniker würde. Sie wollte mich wieder zurückrufen. Das tat sie nicht mehr. Stattdessen bekam ich folgende Nachricht auf mein Handy: "Guten Tag, Ihr Auftrag mit der Nr. 57763946 ist abgeschlossen und Ihr Service steht nun wieder uneingeschränkt zur Verfügung. Schöne Grüße, A1 Service Team."

Also rief ich wieder an. Die nächste junge Dame stellte zweifelsfrei fest, dass a) "das Kästchen" kaputt sei und b) die Kollegin vor ihr keine Spuren der Bearbeitung hinterlassen habe, dass ich sozusagen mit "niemandem" meinen halben Vormittag zugebracht hatte.

Mich stimmt diese Episode nachdenklich: Wir treffen niemanden mehr persönlich. Wenn wir uns beschweren wollen, müssen wir E-Mails schreiben, denn am Telefon erreicht man niemanden. Wenn wir doch eine Beschwerdenummer anrufen, erreichen wir vielleicht ein Callcenter in Indien. Kürzlich hatte ich eine Reklama-
tion und sprach darüber mit jemandem in Irland. Vielleicht denke ich zu schlecht, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es viele Inder oder Iren gibt, denen ich und mein Fernseher nicht herzlich egal sind.