Zufallssammler und Empfänger von "Paul-Auster-Briefen": "extra"-Ressortleiter Gerald Schmickl - © privat
Zufallssammler und Empfänger von "Paul-Auster-Briefen": "extra"-Ressortleiter Gerald Schmickl - © privat

Herbst ist Paul-Auster-Zeit - zumindest für mich. Im November 2015 hatte ich - wovon ich an dieser Stelle schon einmal berichtet habe - eine Postsendung erhalten, in der "Das rote Notizbuch" des US-Autors enthalten war, samt einem mit "P. A." unterzeichneten Brief, der - wie sich rasch herausstellte - nicht vom in New York lebenden Schriftsteller stammte, sondern von einem guten Geist und Spaßvogel aus Wien (?), der mir - als habituellem Zufallssammler - dieses Büchlein mit Zufallsgeschichten von Paul Auster als Geschenk hatte zukommen lassen. Mittlerweile habe ich von diesem, meinem "Paul Auster" noch zwei Briefe erhalten - weiß aber noch immer nicht, um wen es sich dabei wirklich handelt.

Heuer ist noch kein "Auster"-Brief eingelangt, dafür hat sich etwas anderes zugetragen. Ich hatte diese kuriose Korrespondenz in der Zwischenzeit in einem Interview mit der Zeitschrift "Autorensolidarität" erwähnt - von wo sie nunmehr Eingang in ein Buch fand. Und zwar in eines mit dem Titel "Der Zufall hat immer Saison" des Wiener Autors Jürgen Heimlich (Verlag story.one publishing).

In dieser, ganz im Stile des "roten Notizbuches" gehaltenen, hübschen Sammlung von persönlichen Zufallsgeschichten erzählt Heimlich - was für ein wunderbar sprechender Name in diesem Zusammenhang (auch wenn der Autor nicht der Absender der Briefe ist, wie er schwört - und ich glaube ihm!) - meine Anekdote nochmals, weil sie bei ihm selbst zu einem Zufall geführt hat: "Ich las das Interview, das auch vom ,roten Notizbuch‘ erzählt, (...) nur wenige Stunden, nachdem ich selbst etwas über das ,rote Notizbuch‘ und was mich damit verbindet, veröffentlicht hatte."

Heimlich hatte nämlich auf einer digitalen Plattform einen Beitrag publiziert, in dem er von einem Prager Autorenfestival aus dem Jahr 2008 berichtete, bei welchem er - noch bevor dieser dort als Stargast auftrat - zufällig hinter Paul Auster zu sitzen kam und den berühmten Autor dabei beobachtete, wie dieser - nachdem ihm seine Frau, die Autorin Siri Hustvedt, etwas ins Ohr flüsterte - sein berühmtes rotes Notizbuch herausnahm und etwas hineinschrieb. Und wenige Stunden, nachdem Heimlich diese Geschichte veröffentlicht hatte, las er mein Interview mit der "Rote Notizbuch"-Anekdote.

Fällt der Name Auster, schießen die Zufälle scheinbar sofort aus dem Boden. Diese "Tatsache" erfuhr nun wiederum ich, als ich meinem Freund Peter Jungwirth, mit dem ich seit vielen Jahren über Zufälle korrespondiere, von der Lektüre von Heimlichs Buch mit dem doppelten Auster-Zufall erzählte. Ich tat es in der Pause eines Literatur-Quizzes, an dem wir beide teilnahmen. Wenige Minuten später startete eine neue Quizrunde mit folgender Frage: Wie heißen die in New York lebenden Schriftsteller-Eltern jener jungen Frau, die als Musikerin und Model mittlerweile fast genauso berühmt ist wie die beiden? - Selbstverständlich handelt es sich dabei um Siri Hustvedt und Paul Auster, die Eltern von Sophie Auster. Ich hätte die Antwort gerne in ein rotes Notizbuch geschrieben, hatte aber leider gerade keines zur Hand.