Diesen Freitag gibt’s ein ganz besonderes Angebot: zwei Tage für die Stunden von einem. Da finden nämlich zwei Freitage gleichzeitig statt. Ein Friday For Future (gut, der ist mittlerweile an jedem Freitag) und der Black Friday, der höchste Feiertag der Schnäppchenjäger. Und man muss sich nicht einmal entscheiden: Klima oder Rabatte? Geht sich locker beides aus. Zuerst auf die Klima-Demo, und im Anschluss kann man immer noch gemütlich shoppen. Online sogar bis Mitternacht.

Na super. Und die Post muss die vielen Packln dann wieder zustellen. Am besten noch CO2-neutral. Mit dem E-Lieferwagen. Während wir fröhlich weiterbestellen und eigentlich wissen müssten, dass das alles dort nie und nimmer reinpassen kann. (Die Post besitzt aber natürlich mehr als nur ein Fahrzeug mit Elektromotor. Auch wenn die Pakete oft so ausschauen, als hätte jemand versucht, sie alle in ein einziges Auto reinzustopfen.) Wird man wohl oder übel noch ein paar Photovoltaikanlagen mehr bauen müssen. In Indien. Indien? Wird der Klimaschutz jetzt ebenfalls schon in Billiglohnländer ausgelagert? (Die werden noch das komplette Sonnenlicht aufbrauchen, die Inder.) Keine Angst. Anscheinend testet die Post eh grad was Neues aus, um die CO2-Emissionen anders zu reduzieren, bevor wir hier alle im Finstern leben müssen (okay, nicht wirklich neu): die virtuelle Paketzustellung.

Ich hab also nicht auf den Black Friday gewartet, sondern bereits vorher im Online-Shop Stiefel erlegt ("Host jo erst 200 Poa." - "Oba denoch ned, Heinz."), und die Beute wurde nun am Dienstag "zugestellt" (Quelle: Online-Sendungsverfolgung). Allerdings nicht mir persönlich. "Empfänger nicht angetroffen - benachrichtigt." Wieso hat der Zusteller denn nicht einfach versucht, mich anzutreffen? Moment: benachrichtigt? Eher nicht. Und was hat er mit meinen Stiefeln gemacht? "Sendung an Ersatzabgabestelle zugestellt." Ersatzabgabestelle - hm. Auf dem Fußabstreifer? Kalt. Unterm Fußabstreifer? Noch kälter. Im Lift? (Paket rein, Knopf von meinem Stockwerk drücken, Tür zu - passt, zugestellt.) Gaaaanz kalt. Brrrr. Vielleicht konnte mich ja die Hotline der Post aufwärmen. (Hot-Line.) Kälter würde es jedenfalls nicht mehr werden können, oder? Doch.

Herr oder Frau Potu auf Tür 10 hätte mein Packl. Aha. He, Tür 10 ist genau über mir! Statt bei mir zu pumpern, schleppt der Zusteller das sperrige Trumm lieber noch einen Stock höher rauf? ("Wie vü Poa host’n leicht bestellt?" - "I geh hoid vü zu Fuß. Wegen dem Klimaschutz.") Und wohnt dort oben nicht die Frau L.? Tut sie. Wurscht, Hauptsache, sie händigt mir mein Paket aus. Paket? Na ja, klapper ich eben die anderen Türen ab. Und schön langsam hab ich den Verdacht, dass Herr/Frau Potu . . . hinter der magischen Tür 9 ¾ wohnt. Und der Zusteller hat die Zahl halt aufrunden müssen, weil das System eine Türnummer 9 ¾ nicht akzeptiert hat. Taugt mir überhaupt nicht, diese virtuelle Zustellung. Beschwer ich mich.

Zwei Tage später: Anruf von der Post. Man hätte die Information bekommen, dass sich das Paket auf Tür 10 befände. Bei Potu. Der Zusteller würde es von da abholen und mir vorbeibringen. Ob wer zu Hause wäre? Ich schon. Aber der Herr oder die Frau Potu eventuell nicht. (Name übrigens aus Datenschutzgründen geändert. Auch Personen, die auf Tür 9 ¾ wohnen, haben ein Recht auf Privatsphäre.)