Transparenz ist zurzeit hoch im Kurs. Dinge werden offengelegt, Vorgänge für jede und jeden sichtbar gemacht, Daten im Internet veröffentlicht . . . nein, nicht in Österreich. Aber in Slowenien. Die dortige Transparenz-Beauftragte sagt, wenn man sie auf die österreichische Situation und das hiesige Amtsgeheimnis anspricht, Österreich sei in Sachen Transparenz auf "Vorschulniveau". Na bitte, immerhin! Wir haben den Kindergarten und die Krabbelgruppe bereits hinter uns gelassen. Und wir arbeiten fieberhaft an unserem Volksschulniveau.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne". Sein neues Buch mit zahlreichen Kolumnen (unter anderem auch aus der "Wiener Zeitung") heißt "Lexikon der Nichtigkeiten" und ist im Satyr-Verlag (Berlin) erschienen.

In der Steiermark zum Beispiel. Dort weiß seit ein paar Tagen jede und jeder, dass der Vizepolizeidirektor ein äußerst uneitler Mann ist, der gerne einmal drei Minuten mit dem Notruf telefoniert, nur um das Service des Notruf-
Telefons zu verbessern. Dass er dabei die Vokabeln "Wadln viererichtn" verwendet und eine persönlich adaptierte Version von "Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß’" zum Besten gibt, zeigt lediglich, wie hart hier an der Schulreife gearbeitet wird. Deswegen ist er jetzt auch im Krankenstand. Wahrscheinlich Burn-out aus mitmenschlicher Erschöpfung.

Ähnlich erschöpft ist das Spesenkonto von Heinz-Christian Strache. Der ist seit dem Auftauchen des Ibiza-Videos nicht nur für Transparenz ("Novomatic zahlt alle") und Transpiranz (Unterhemd) bekannt, sondern macht auch gerne auf Facebook Angebote, die man nur ablehnen kann.

Ansonsten steht er gerne in der Öffentlichkeit und stellt richtig. Das Spesenkonto sei eine Handkassa, der ehemalige Leibwächter hätte seltsame Belege eingebracht und er hätte auch keine Nachhilfe auf Parteikosten bekommen. Vielleicht seine Kinder. Was natürlich schade ist, weil der Papa es möglicherweise nötiger gehabt hätte. Rechnen, Ethik, politische Bildung etc.

Die FPÖ versucht einstweilen, zu demonstrieren, was für sie Transparenz ist: Ausschließen, was nicht zu leugnen ist; ausschließen, wer nichts und niemanden ausschließen will; Und völlig ausschließen, dass Geld geflossen ist (zum Beispiel aus Bulgarien), bis man es nicht mehr ausschließen kann. Bis dahin habe man "keine Wahrnehmung". Was auch eine euphemistische Formulierung für "aktiv wegschauen" sein könnte. Ja, so transparent ist die FPÖ, dass sogar die Ausreden schon extrem durchsichtig sind.

Am durchsichtigsten ist aber zweifelsohne die SPÖ. Was diese Partei betreibt, gleicht einer Darmspiegelung im Hauptabendprogramm. Insofern steht SPÖ mittlerweile wohl für "Spitzen-

Peristaltik öffentlich".

Hier wird das Innerste nach außen gekehrt. Und für die Zuschauer ist das nicht schön. Es ist wie bei einem grausamen Autounfall: Der Wagen ist völlig zerstört, überall Blut, vom Parteirumpf abgetrennte Körperteile zucken noch in Agonie, eine Hand ohne Verbindung zum Kopf klammert sich an das Lenkrad und behauptet, die Richtung vorzugeben, es ist grausam, ekelhaft, erschütternd . . . aber wegschauen kann man eben auch nicht.

Das ist eben der Nachteil an der Transparenz, da sieht man auch Sachen, wo man sich denkt: "So genau wollte ich es eigentlich gar nicht wissen."