Ich hoffe, Sie glauben mir. Ich hatte die besten Absichten. Und habe mich wirklich bemüht. Aber es wollte einfach nicht klappen. Was? Einen simplen Produkttest durchzuführen. Ich hatte vor, Kopfhörer persönlich in Besitz und Betrieb zu nehmen, die die Diskont-Supermarktkette Hofer vor Weihnachten im Angebot hat. Aus guten Gründen. Denn: Es handelt sich um AirPods-Klone. Also: kabellose In-Ear-Headphones, die man sich in die Gehörgänge steckt oder in einem kleinen Lade-Case mit sich trägt. Die Dinger - viel gesehen z.B. bei U-Bahn-Passagieren oder ÖBB-Jahreskarten-Nutzern - sind erkennbar an ihren auffälligen weißen Plastikstummeln. AirPods-Afficionados wirken immer wie Außerirdische, die Antennen in den Ohrwascheln eingebaut haben. Was der verblüffenden Funktionalität und Qualität der Kopfhörer keinen Abbruch tut.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Gewiss sind die Hörprothesen nicht gerade billig. Das Original stammt von Apple und kostet regulär um die 170 Euro (mittlerweile wird auch ein teureres Modell mit Umweltgeräusch-Unterdrückung angeboten). Der Diskonter Hofer preist hingegen ein Konkurrenzprodukt der Marke Maginon an - "dem Original zum Verwechseln ähnlich", wie in Zeitungsberichten zu lesen stand -, das nur 30 Euro kostet. Also einen glatten Hunderter weniger. Mindestens. Das ist doch ein starkes Stück. Ein- und verkaufstechnisch ein Coup, quasi. Wenn denn die Qualität halbwegs stimmt. Was ich gern überprüft hätte, mit eigenen Ohren. Aber, erraten: Die AirPods-Klone sind ausverkauft. Überall. Man zuckelt von Supermarkt-Filiale zu Supermarkt-Filiale, und rascher, als man noch "Kopfhö-" sagen kann, macht einem der routiniert bedauernde Blick der Frau an der Kassa klar, dass man vergeblich ansteht.

Nun hätte ich im Internet recherchieren oder bei der Hofer-Presseabteilung anklopfen können. Aber: drauf geschissen. Denn natürlich können High-
Tech-Kopfhörer um 30 Euro nicht die Klangqualität eines funktional gleichwertigen Geräts besitzen, dass das Vierfache kostet. Oder? Ich stelle die Frage absichtlich mit provokantem Unterton, weil ich auf das Feedback der p.t. Leserschaft setze. Bin gespannt, was da so an Höreindrücken, Erfahrungsberichten und Meinungen in den virtuellen Briefschlitz rutscht. Und weiß man dann, ob das wirkliche, also valide Impressionen sind - oder doch nur Auftragswerke der Maginon- oder Hofer-Marketingabteilung?

Generell kann ich den Tipp geben: Misstrauen Sie - gerade vor Weihnachten - Produkten, die absurd billig sind. Sie mögen äußerlich so wirken, als ob. Aber zaubern können sie auch in der tiefsten Provinz von China nicht. Ich wette, dass gerade jede Menge Menschen damit beschäftigt sind, die Enttäuschung über diverse "Black Friday"- und "Cyber Monday"-Ramschartikel zu verdauen. "Der Handel kommt zu dieser Rabattschlacht wie zu einer ungewollten Schwangerschaft", lese ich in der Fachzeitschrift E&W ("Österreichs Insiderblatt für die Elektrobranche"). Man könne sich dem importierten Billiger-billiger-billiger!-Wahn leider nicht erwehren, der Konsument sei längst so konditioniert. "Kollektiver Irrsinn", so E&W. "Keiner will ihn. Alle machen mit. Muss das sein?" Gute Frage. Habe ich irgendjemanden "Nein!" flüstern gehört?