Vor ziemlich genau 150 Jahren, am 17. November 1869, trafen sich gekrönte Häupter aus der ganzen Welt am Nil, um die Eröffnung einer Wasserstraße zu feiern, die das Mittelmeer mit dem Roten Meer verband und somit die Reisezeit von Europa in den Mittleren und Fernen Osten entscheidend verringerte. Mastermind des Unternehmens war der Franzose Ferdinand de Lesseps, Spross einer Diplomatenfamilie mit besten Kontakten zum ägyptischen Vizekönig Muhammad Said. Lesseps selbst war beileibe kein Techniker oder Ingenieur, dafür aber begeistert von der Idee, zwei Weltmeere durch einen Kanal zu verbinden. Doch damit war er nicht der Erste, wie man bei dem im 5. Jh. v. Chr. tätigen griechischen Historiker Herodot nachlesen kann:

"Psamettichos hatte einen Sohn Nekos, der folgte ihm auf dem Thron Ägyptens. Er begann mit der Anlegung jenes Kanals in das Rote Meer, den dann der persische König Dareios weiterführte. Der Kanal ist vier Tagesfahrten lang und wurde so breit gegraben, dass zwei Dreiruderer nebeneinander ihn befahren können. Er geht aus vom Nil, etwas oberhalb der Stadt Bubastis, fließt an der arabischen Stadt Patumos vorüber und mündet ins Rote Meer."

Dass die Angaben Herodots zumindest teilweise richtig sind, konnte durch archäologisch-epigraphische Funde nachgewiesen werden. So fand sich auf einer Stele, die bei Kabret in der Nähe des südlichen Endes des großen Bittersees im nördlichen Ägypten gefunden wurde, die folgende Inschrift: "Der König Dareios spricht: Ich bin Perser. Von Persien aus eroberte ich Ägypten. Ich befahl, diesen Kanal zu graben von dem Nil genannten Fluss in Ägypten bis zu dem Meer, das in Per-sien beginnt. Als dieser Kanal gegraben war, wie ich es befohlen habe, sind Schiffe von Ägypten bis nach Persien gefahren, wie ich es gewollt hatte."

Die ganze Antike hindurch wurde die Wasserstraße instandgehalten und genutzt. Unter Kaiser Trajan wurde um das Jahr 100 sogar ein weiterer Kanal angelegt, der vom heutigen Kairo über Bilbeis zum alten Bubastis-Kanal führte. Knapp zwei Jahrzehnte später beherrschte Rom alle Häfen des Roten Meeres und des Persischen Golfes, und der Seeverkehr von Ägypten nach Süden und Osten erreichte seinen Höhepunkt.

Dies änderte sich jedoch ab dem 3. Jahrhundert, da die begehrten Luxusgüter aus dem Fernen Osten von da an über Karawanenrouten transportiert wurden, wovon Roms Erzrivalen im Osten, die Sassaniden sowie Städte wie Palmyra oder Damaskus, profitierten. Erst mit dem Bau des modernen Suezkanals übernahm Ägypten wieder jene herausragende Stellung im Seehandel, die es bis heute behalten hat.