Ich hab einfach nicht mehr länger auf Godot warten wollen. Nachdem er mich gleich zwei Mal hintereinander versetzt hatte. Der Paketzusteller nämlich. Ja, genau, es geht noch immer um dieses eine Paket, das laut Sendungsverfolgung "an eine Ersatzabgabestelle zugestellt" worden ist. An einen Herrn oder eine Frau Potu (Name aus Datenschutzgründen geändert) von Tür 10, wo allerdings die Frau L. (Name aus Datenschutzgründen abgekürzt) wohnt. Allein wohnt. Sie hat auch keine Putzfrau, die Potu heißt. Oder einen Gärtner für die Topfpflanzen dieses Namens.

Zwei Chancen hatte der Zusteller also bereits gehabt, mein Paket von der ominösen "Ersatzabgabestelle" abzuholen und mir vorbeizubringen. Am Mittwoch war er nicht gekommen, am Donnerstag nicht . . . und am Donnersabend hab ich schließlich nimmer daran geglaubt, dass er am Freivormittag vorbeischauen würde, und es aufgegeben, bei der Post anzurufen, und lieber den Versandhändler kontaktiert. Sollte der sich Termine mit dem Godot ausmachen. Seiner Ware nachlaufen. War immerhin seine. "Bitte bestätigen Sie uns zunächst schriftlich, dass Sie Ihre Bestellung nicht erhalten haben." Mach ich doch gern. Aha, das Formular ist angehängt. Was? Ausdrucken? Auf Papier? (Worauf sonst? Auf einem Blattl Käse? Womöglich aus Milch von klimaunfreundlichen Kühen?) Und in Brasilien brennt derweil der Regenwald. Na ja, fürs Klima wär’s aber wahrscheinlich sowieso besser, man würde die Wälder allesamt abholzen. Als Brandschutz. Kann wenigstens das ganze CO2 nimmer bei einem Feuer in die Luft und in weiterer Folge ins Klima gelangen. Und wer produziert in Zukunft unseren Sauerstoff? Die Bäume, die in den Städten grad an jeder Ecke angepflanzt werden! Von denen liest man jedenfalls nie, dass die wer brandgerodet hätte. (Ein Autofahrer. Für einen Parkplatz.)

So. Ausfüllen. In Druckbuchstaben. Äh, ich soll mit der Hand so schreiben, als hätte ich das alles getippt? Kann ich die "Rechtsverbindliche Erklärung" nicht gleich am Bildschirm ausfüllen und sie erst vorm Unterschreiben ausdrucken? Nein. Die Sendungsnummer hat 22 Stellen, bitte! Könnte ich zumindest die rauskopieren und . . .? Nein. Verdammt, jetzt hab ich einen Nuller vergessen. Okay, noch einmal ausdrucken. Und ausfüllen. Artikel samt Artikelnummer? Wissen die denn nimmer, was sie in die Schachtel reingetan haben? Wurscht. (Nein, natürlich Stiefel.) Unterschreiben und - zurückschicken? Am Ende mit der Post? Ach so, eh per Mail. Und wie krieg ich das Papier ins Mail hinein? Zuerst muss ich es digitalisieren. Hm. Klein zusammenfalten und ins DVD-Laufwerk einlegen? Blödsinn. Einscannen! (Oh, warum verschwindet das Papier dabei nicht wundersam? Weil es ein Schmäh ist, dass die Digitalisierung die Zettelwirtschaft reduziert.)

Am Samstag läutet’s dann plötzlich bei mir. Unten ist eine Frau - Potu. Im Ernst jetzt? Sie hätte mein Packl. Ich möge es mir abholen. Tür 10, Stiege - aha: nicht meine. Na super. Nach dem ganzen Aufwand. Aber hätte ich vielleicht alle Stiegen abklappern sollen und überall bei Top 10 klingeln, auf gut Glück, weil wegen des Datenschutzes bekanntlich nirgends mehr ein Name (Potu zum Beispiel) dabeisteht? Ja. Wäre effizienter gewesen. (Ich richte mir schon einmal das Papier her. Für die "Rechtsverbindliche Erklärung", dass ich die Bestellung nun doch erhalten hab.)