So lässig wie Peter Rapp habe ich leider nicht reagiert. Peter Rapp hat vor dem Haus auf dem Gehsteig liegend auf den Krankenwagen gewartet, als sein Herzinfarkt gekommen ist. Sogar den Notruf hat er höchstpersönlich angerufen. Diese Eselsbrücke kennt er seit seiner Kindheit, wird Peter Rapp hinterher den Journalisten erzählen: 122 ist für die Feuerwehr, weil die Zweier wie Schläuche aussehen. 133 ist für die Polizei, weil die Dreier wie Handschellen aussehen. 144 ist für die Rettung, weil die Vierer wie Krankenhaussessel aussehen. Sowas fällt mir im Traum nicht ein. Und im Herzinfarkt schon gar nicht.
Egal. Manchmal kommen sogar die Deppen durch. Meine Eselsbrücke heißt Helga. Ohne meine Frau wäre ich heute höchstwahrscheinlich tot und ohne die wunderbare Fachabteilung im AKH wohl auch. Was diese Erkenntnis aus mir macht? Nicht sehr viel, fürchte ich. So schnell zaubert die Welt keinen neuen Menschen her. Ich bin immer noch der Alte. Nur in Zukunft ohne Zigaretten halt.
Im Krankenhaus habe ich den Herrn Jura kennengelernt. Der Herr Jura ist um die 90 und er sagt, das ist auch kein Spaß. Dauernd tut was anderes weh. In der Nacht bin ich aufgewacht, weil der Herr Jura geträumt hat, dass seine Frau gestorben ist. Er wollte sie anrufen, aber sein Handy war weg. Mein Handy war daheim, aber das Handy vom Herrn Jura habe ich unter seinem Bett gefunden. Er wollte seine Frau dann doch nicht mehr mitten in der Nacht anrufen und in der Früh hat sie sich eh gemeldet.
Wir sitzen im Krankenhemd beim Frühstück. Bett an Bett. AKH, 19. Stock. Rechts der Herr Jura, links beim Fenster ich, in der Mitte der pensionierte Oberst vom Bundesheer. Alle haben es am Herzen. Der Oberst schaut auf seinen Teller. Immer derselbe Dreck, sagt er. Ich schau beim Fenster raus. Überlebt ist überlebt.