Wenn Doris Bures Interviews gibt, dann freuen sich alle. Alle außer die SPÖ. Denn Bures könnte man als den Laubbläser der Politik bezeichnen. Sie kann unglaubliche Mengen von Wählern - so wie das Herbstlaub auf den Straßen - in Bewegung bringen. In Richtung weg. Da kann sogar noch Rendi-Wagner etwas lernen, die immer noch so manche Stimme aus purem Mitleid an sich bindet.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".

Bures’ Interviews dagegen glänzen durch inhaltsfreie Wortwahl (Heiße Luft wie das oben erwähnte technische Gerät) und eine unangenehme Stimmlage (akustische Ähnlichkeit zum Laubbläser). Aber in Wahrheit ist sie ein Mensch. Und Menschen können Fehler machen - und eingestehen. Bei ihrem letzten ZiB2-Interview unterlief ihr etwa ein kleiner Versprecher. "Wien", so meinte sie, wäre, "die liebenswerteste Stadt der Welt". Nur, um sich gleich darauf zu verbessern: "Äh . . . lebenswerteste". Da merkt auch Bures, welchen Unterschied so ein kleines i machen kann. Und das betrifft nicht nur Wien, nein, auch zum Beispiel: Darmbakterien. Sehr, sehr lebenswert (wer es nicht glaubt, soll mal versuchen, ohne sie auszukommen), aber nicht unbedingt liebenswert (Geruch, Produkt, etc.). Und so hat auch die lebenswerteste Stadt der Welt, nämlich Wien, zwei Seiten. Sie ist nämlich dieser Tage am dritten Platz der unfreundlichsten Städte der Welt gelandet. Nur geschlagen von Kuwait-City (2.) und Paris (1.Platz). Zu Kuwait kann ich nichts sagen. Da war ich noch nie. (Logisch, bin weder ein irakischer noch ein amerikanischer Soldat.) In Paris aber schon und da denk ich mir: Das ist zu schlagen.

Die sauschädlaten, frankophonen Arroganzlinge, die nach einem Intim-Latexüberzug benannt sind, werma - um es in korrektem, steirischem Amtsdeutsch zu sagen - die Wadln viere richtn. Die weama schnupfen, die oidn Butterkipferleintaucher. Also: Vergesst Charme-Offensiven, wir brauchen Beleidigungskampagnen!

Ob am Flughafen, am Hauptbahnhof oder bei der Autobahneinfahrt, überall sollte der potenzielle Besucher Wiens hingewiesen werden, wo er nach Meinung der Stadtbevölkerung sowieso hingehört: im Enddarm.

Riesengroße Plakatwände verkünden Sätze voll sprühendem Lokalkolorit: "Bei uns seids olle im Oasch daham!", "Wannst so radln kunntast, wiast deppert bist, dadast den Glockner auffe bremsn!" oder "Du hast a Gsicht wia die Tour de France - vierzehn Tag zum einetreten!" Nach diesem Empfang sollten wenig Fragen offen bleiben. Und diese restlichen werden dann von den stets mit goldenem Wiener Herz erfüllten Kaffeehauskellnern beantwortet: "Herr Ober, ich würde gern etwas bestellen!" - "Und ich würd’ gern Urlaub haben." "Herr Ober, kann ich zahlen?"- "Woher soll ich das wissen? Schauen’s in Ihrem Brieftascherl nach." Und wer es dann noch nicht kapiert hat, wie es hier zugeht, der bekommt die ultimative Beleidigung zu geflüstert. Die Relativitätstheorie der sozialen Erniedrigung. Den Energieerhaltungssatz der wienerischen Philanthropie: "Wann I Du warat . . . warat I lieber I." Und dann sollte es auch endlich die Welt kapiert haben, wer hier die unfreundlichste Stadt der Welt ist. Hoffentlich, denn sonst schicken wir der Welt Doris Bures.