Diese Überschrift ist gleichzeitig ein Buchtitel. Der Untertitel lautet "Jüdische Weisheit für jede Lebenslage" und der Autor ist, vielleicht haben Sie es erraten, Chaim Eisenberg. Wenn schon jüdische Weisheit, wird sich der ehemalige Oberrabbiner von Wien gedacht haben, dann von A wie "Aleph-bet" bis Z wie "Zwei Juden haben meist drei Meinungen", also alphabetisch gereiht. Jede Weisheit enthält einen Schwank, eine Anekdote oder einen Witz - manchmal sind es auch zwei oder drei - und Chaim Eisenberg formuliert wie gewohnt gelassen und manchmal auch selbstironisch. Außerdem durchleuchtet er den Hintergrund des Purim-Festes und des Schabbat, er zeigt, wie kompliziert es sein kann, eine Bracha zu sprechen, und vieles mehr. An dem im Brandstätter Verlag erschienenen Buch wird auch der Goi seine Freude haben - mir hat es ein großes Vergnügen bereitet, darin zu schmökern.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.

Schlägt man das Buch in der Mitte auf, kann es sein, dass man zufällig zum Buchstaben M gelangt. Im ersten Beitrag geht der Autor der Frage nach, wie man das im Wienerischen geläufige Wort Masel richtig schreibt, ob mit s oder mit z. "Die Engländer und Amerikaner schreiben Maseltov mit z, weil sich auf Englisch nur so ein stimmhaftes s ausdrücken lässt. Aber wenn man mich fragt, dann sage ich immer: Richtig schreiben tut man es weder mit s, noch mit z, sondern mit dem hebräischen Buchstaben Zajin."

Dieses Zeichen, es ist der siebente Buchstabe im Hebräischen Alphabet, erinnert an ein Schwert - das war die ursprüngliche Bedeutung in der Bilderschrift. Der griechische Buchstabe Zeta und damit auch das lateinische Z sind davon abgeleitet.

Maseltov bedeutet in jedem Fall, egal wie man es schreibt, "gutes Glück", es ist also ein schöner Wunsch. "Warum muss man ,gutes Glück‘ wünschen?", fragt sich Eisenberg. "Weil ein Mensch nicht immer weiß, was gut für ihn ist." Oft könne man von Menschen lesen, die das Glück hatten, einen großen Lottogewinn zu machen, die danach aber nicht imstande waren, vernünftig mit dem Geld umzugehen. Dann ist dieser Lottogewinn nur ein Masel, aber kein Maseltov. Glücklich sein ist jedoch etwas ganz anderes: Nämlich die Fähigkeit zu haben, unser Leben mit anderen friedlich und liebevoll zu gestalten." Die Glücksphilosophie des ehemalige Oberrabbiners von Wien funktioniert so: "Man wird im Leben glücklich, wenn man andere glücklich macht. Und wie macht man andere glücklich? Zum Beispiel, indem man ihnen gute und lehrreiche Geschichten erzählt."

Die Freude am Geschichtenerzählen hat auch etwas mit den jüdischen Glaubensschriften zu tun. Während die Christen ihr religiöses Wissen aus der Bibel ableiten, haben die Juden neben dem Tanach, ihrer Bibel, noch zwei nachbiblische Kompendien mit alten Sagen und erbaulichen Geschichten. Der Talmud zeigt auf, wie die religiösen Vorschriften im Alltag von den Rabbinern ausgelegt wurden, er enthält ferner scharfsinnige religiöse Debatten; der Midrasch ist eine Auslegung religiöser Texte im rabbinischen Judentum. Daher sind manche Witze und Anekdoten direkt aus den Glaubensschriften ableitbar. Eisenberg versteht es, auf diesem Klavier zu spielen.