Andreas Rauschal ist Redakteur der "Wiener Zeitung".
Andreas Rauschal ist Redakteur der "Wiener Zeitung".

Skifahren war okay. Irgendeinen Grund aber wird es schon haben, dass ich so um das Jahr 2000 herum zum letzten Mal auf zwei Brettln stand, die dann doch nicht die Welt bedeuteten.

Traumatische frühkindliche Erfahrungen mit Schleppliften und eine allergische Reaktion bei bloßer Erwähnung des Wortes Almdudler mögen das eine sein. Teenagerdramen inkludierende Schulskikurse, traurige Dorfdiscos mit schlechter Musik und Skihütten, in denen der "Anton aus Tirol" als vom Stammpublikum eingefordertes Menschenrecht sowieso Pflichtprogramm war, haben mir dann aber anscheinend den Rest gegeben. Heute stelle ich mir die Zombie-Apokalypse vor der Kulisse eines gut zugeschneiten Alpendorfs vor, in dem die bärigen Moonboots von Hansi Hinterseer russische Oligarchengattinnen und ostdeutsche Kellner massakrieren, bevor - Schnitt! - die "Gäst" in der Hütte ihre Blunzen genießen, während im Hintergrund DJ Ötzi läuft. So eine Art "Piefke Saga Teil 5", nur im Blut-und-Beuschel-Film-Stil.

Früher war mein Blick auf den Skizirkus grundsätzlich unschuldiger. Gut, es ist natürlich absurd, damit aufzuwachsen, dass Franz Klammer als Kitzbichl-Pensionist im Sportfernsehen um 10 Uhr vormittags ein "Schnapsl" bekommt (Stichwort Vorbildwirkung). Dafür war das Wort Klimawandel noch nicht präsent und es gab prächtige Winterlandschaften statt einer über den grünen Berg gezogenen Schneise aus Schnee vom Vorjahr.

Als relativ unschuldig haben wir in diesem Zusammenhang auch noch "Schifoan", den 1976 erschienenen Austropopklassiker von Wolferl Ambros in Erinnerung. Es ging darin tatsächlich um das Lob für einen Freizeitsport, wobei man allfällige im Songtext vorkommende Stärkungen namens "Jagertee" weniger als Doping, sondern - aus der Zeit heraus - als österreichische Folklore verstehen muss. Immerhin gab es damals auf der Alm nicht nur keine Sünd’, sondern neben weniger Leuten auch weder Helmpflicht noch Polizeipräsenz auf der Piste, also sozusagen eine Art Dullijöh-Freibrief.

Herunten in den Niederungen des Tals klettert aktuell übrigens ein ähnlich betitelter Song langsam an die Chartsgipfelspitze. Die Nummer "Skifahren" des Produzentenduos The Cratez gemeinsam mit Maxwell und dem aus Bietigheim-Bissingen in der Nähe des Halbstarken-Hip-Hop-Ghettos Stuttgart stammenden Rapper Bausa legt es allerdings wirklich nicht mehr wintersportlich an, sondern ganz im Sinne des "Schnees, auf dem wir heute talwärts fahren" von Falco als verdrogtes Gestöber. "Bitches", Liebe zu dritt und mit der Kreditkarte georderte Sportwagen kommen vor. Vorbildwirkung auch hier quasi null.

Ich kann nur raten, ob "Skifahren" vor älplerischer Kulisse derzeit beim Après-Ski läuft. Als Beschallung der Zombie-Apokalypse geht der Song aber auf jeden Fall durch.