Was klebt an der Wand, ist gelb und krümmt sich vor Lachen (oder warum auch immer)? Früher hätte man das für eine Scherzfrage gehalten, inzwischen weiß man allerdings: Das ist keine. Noch vor einer Woche war das schließlich Realität. Nämlich auf der Art Basel in, nein, nicht in Basel, in: Miami! Wieso in Miami? Das ist kompliziert. Und nicht das Thema. (Miami? In Amerika? Super. Die Greta segelt mit dem Katamaran nach Europa und derweil fliegt der halbe Kunstmarkt mit seinem CO2 in die andere Richtung.)

Ein gewisser Maurizio Cattelan hat also eine Banane mit einem Klebeband an die Wand gepickt und alle wollten nur noch ein Selfie mit ihr machen. Anfangs hab ich ja geglaubt, der verarscht die Leute bloß. Und in Wahrheit ist das gar keine Banane. Die tutlediglich so. Denn eigentlich wäre das eine täuschend echt aussehende Fälschung. Und täglich würde sie heimlich ein bissl nachgebräunt. Immerhin ist ihr Urheber bekannt für seine provokanten hyperrealistischen Skulpturen. Den vorletzten Papst hat er zum Beispiel erschlagen (mit einem Meteoriten) und den Hitler hinknien lassen und . . . in einem Gebet versenkt. Aber als dieser andere Künstler, von dem ich davor noch nie etwas gehört hatte (David wer? Datuna!), die Banane plötzlich gegessen hat, war klar: Der hat das tatsächlich ernst gemeint. Die Banane war echt. Andererseits lautet der Titel "Comedian" und über Komödianten soll man lachen, oder? Die erzählen Witze. (Kommt eine Banane auf eine Kunstmesse . . .) Am meisten amüsiert hat man sich natürlich über die drei Sammler, die ebenfalls prompt "angebissen" haben sollen. Der verkauft dieselbe Banane gleich drei Mal? Nicht dieselbe, bloß die gleiche. Die ersten beiden Exemplare dieser streng auf drei Stück limitierten Edition (aha: künstliche Verknappung) waren angeblich sofort weg (für 120.000 Dollar), die dritte hat bereits 150.000 gekostet. He, wie im Online-Handel! "Nur noch 1 Artikel verfügbar." Nur noch einer? Dann nehm ich die depperte Banane halt und leg sogar noch was drauf. Bevor sie mir ein anderer wegschnappt . . . ups! David wer?

Weshalb hat der Typ sie überhaupt verspeist? Vandalismus? Banausentum? Bananausentum? Aus Protest gegen die Verschwendung von Nahrungsmitteln, während in Afrika die Kinder verhungern? Alles Blödsinn. Weil er selber hungrig war. Na ja, wohl mehr nach seinen 15 Minuten Ruhm als nach Bananen. Wurscht. (Nein, Banane.) "Hungry Artist" hat die Performance jedenfalls geheißen. Außerdem ist nirgends gestanden: "Do not eat!" Wenigstens hat er damit ein Problem pragmatisch gelöst: Wie konserviert man das Ding? (Ehe es zu stinken anfängt und Viecher anlockt.) Gar nicht. Müsste man sowieso nicht. Konzeptkunst, hallo? Bei der zählt allein die Idee. Und die haben die Sammler erworben. Nicht die Banane. Die ist austauschbar. Ja, eh. Gegen Karotten, Leberkässemmeln, Brokkoli, Donald Trump (für den braucht man freilich gleich die ganze Klebebandrolle) . . . - hab ich auf Facebook alles gesehen. Jeder hat auf einmal irgendwas an die Wand kleben müssen. Diese Banane ist vielleicht keine wahnsinnig originelle Kunst, doch dafür eine verdammt gute Muse. Wie viel schlummernde Kreativität die aufgeweckt hat. Die hat es geschafft, die Menschen zu inspirieren wie - Greta Thunberg. Okay, das ist jetzt aber nimmer lustig.