Grundsätzlich hat ein Mensch als Wiener zwei Möglichkeiten, um in der Zeit vor Weihnachten kurz mal nett zu sein. Er kann entweder in der Punschbude stehen und den guten Punsch für den guten Zweck ausschenken oder er kann vor der Punschbude stehen und den guten Punsch für den guten Zweck austrinken. Die Wahl des Standortes hängt nicht von ihm persönlich ab. Die Wahl des Standortes bestimmt allein sein Promi-Status. Da ist der Geist von Weihnachten gnadenlos.
Mich persönlich hat noch niemand für den Ausschank angerufen. Nicht eine wohltätige Organisation meint, mein Promi-Status hinter der Bar würde für eine volle Bude sorgen. Nur dass ich zum Trinken komme, wollen viele. Persönlich haben mich bis jetzt ein Radio-DJ von gestern, ein Radio-DJ von gerade noch, eine Lifestyle-Journalistin, die ich eh nur von Facebook kenne, ein Promi-Wirt aus der Provinz und ein Fußballspieler, der auch schon länger nichts mehr vom Nationalteam gehört hat, zum Trinken für den guten Zweck gebeten. Von der Politik ganz abgesehen. Aber Politiker laden dich das ganze Jahr zum Trinken für den guten Zweck ein. Da fällt das vor Weihnachten auch nicht mehr auf. Der Rest dafür schon. Einkaufssamstag wird Oktoberfest. Der Zweck rechtfertigt das Torkeln. Man muss nur die Buden suchen, wo den Armen auch was überbleibt vom Alkohol. Der Punsch ist eh derselbe.
Es ist der zweite Samstag im Advent und die Innenstadt platzt aus allen Fugen. Die meisten Menschen sind halbbesoffene Touristen, die sich gegenseitig für Wiener halten. In der Silvesternacht stelle ich mir die Sache noch schlimmer vor. Aber da bleibe ich daheim. Ich hasse Silvester, weil da trinken sogar die Amateure. Das hat Harald Juhnke gesagt. Harald Juhnke verstand was vom Trinken. Aber ich glaube nicht, dass er jemals im Punschbudenparadies von Wien gewesen ist. Er hätte den Satz womöglich umgeändert.