Erinnern Sie sich? "Die Geschichte der Menstruation ist eine Geschichte voller Missverständnisse": So klagte einst die Dame in der OB-Werbung. Nur, um dann den Fernsehzuseherinnen und -zusehern zu erklären, dass das Tampon die Regel dort aufnehme, "wo sie passiert". Und dann verschwand die Wattewurst folgerichtig in der geschlossenen Hand.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".

Dieses Kleinod der Fernsehwerbung der 1990er Jahre ist nicht nur ein leuchtendes Beispiel für die Befreiung von Intelligenz durch die Werbewirtschaft, sondern obendrein eine heimliche Metapher auf die FPÖ. Denn auch deren Geschichte ist zweifelsohne eine Geschichte der Missverständnisse.

Keine andere Partei ist so oft falsch verstanden worden, keine andere war so oft Opfer von Unklarheiten, und keine andere hat sich schon so oft gespalten. Ganz ähnlich dem weiblichen Zyklus fließt auch bei der regelmäßig stattfindenden Spaltung der Freiheitlichen Partei turnusmäßig Blut. Meist böses.

Es gibt aber auch große Unterschiede: Kommt es beim weiblichen Menschen vor der Periode manchmal zu Stimmungsschwankungen, so schwankt die Stimmung bei den Freiheitlichen erst nach der Abspaltung. Was bei der Frau dann PMS genannt wird, heißt bei den Freiheitlichen immer anders: Einmal LIF, dann BZÖ oder aktuell DAÖ. Letzteres reimt sich auf "Bahöö", und das ist wohl kein Zufall.

Und während das Land wohl noch die nächsten Jahre auf den Bericht der Historikerkommission der FPÖ warten wird (einen Bericht, der übrigens das publizistische Gegenstück zu Schrödingers Katze ist - so wie diese tot und lebendig gleichzeitig ist, ist auch dieser Bericht der Öffentlichkeit im selben Moment bekannt und unbekannt), so sicher ist die Zukunft der Partei.

Nach dem üblichen Spaltungsrhythmus von zwölf bis vierzehn Jahren (1993 LIF, 2005 BZÖ, 2019 DAÖ), kommt es etwa um das Jahr 2032 zur Gründung der GNU (Gerwalds nationalistischer Union) durch Norbert Hofer, vier burgenländische Abgeordnete und einem Gartenzaun.

Danach - ungefähr im Jahr 2046 - wird von Herbert Kickl, sechs Kärntner Abgeordneten, einem Ex-Mitarbeiter der "Ideenschmiede" und einem ehemaligen Polizeipferd die KAK (Kärntnerische Allianz Kärnten) gegründet. Was führende Parteimitglieder aber nicht daran hindert, um das Jahr 2059 die LAU (Liste Alles Unsrige) ins Leben zu rufen. Mit dabei: Manfred Haimbuchner, sieben oberösterreichische Abgeordnete und mehrere Kisten Bier.

2072 wird es dann endlich wieder einmal soweit sein, und der Grand Seigneur der Partei, Udo Landbauer, bildet mit sechs niederösterreichischen Abgeordneten, einem Bierkrug und einem Liederbuch die FAD (Freien anderen Demagogen). Die auf diese Art und Weise regelmäßig erneuerte Partei verkündet auf dem Parteitag auf dem Ulrichsberg in Kärnten ein Ende des Personenkults. Wörtlich sagt der neue Parteichef Andreas Gabalier vor einem 16 Meter hohen Plakat, das ihn nur mit einem Edelweiß bekleidet zeigt: "Ich bin wie Du, Hulapalu!"

Warum er nach dieser inhaltlichen Neuausrichtung alle seine 45 jubelnden Anhänger auf seine Person vereidigt? Ist doch logisch: Es ist - mal wieder - ein "Missverständnis".