Das Ding hat in etwa die Größe eines Schuhkartons, das Gewicht ist auch nicht von drückender Schwere. Gerade dieser Umstand macht Kenner stutzig: Das soll ein ausgewachsener HiFi-Verstärker sein? Nun, der NAD M10 ist mehr als das. Ein Streaming Receiver nämlich, der Anschluss an das Web findet, um bequem Online-Musikdienste und Internet-Radiostationen abrufen zu können.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Freilich können auch von lokalen Servern oder Festplatten Dateien in das Rechenzentrum des NAD-Verstärkers geladen werden. Mittels der hauseigenen BluOS-Technologie können so bis zu 64 im Netzwerk angemeldete Player Töne von sich geben, und da das Gerät auf die High-End-Klientel zielt, funktioniert das mit unkomprimierten Datenformaten bis hin zu MQA-Files in Studioqualität. Sieht so die Zukunft qualitativ hochwertigen Hörens aus? Zumindest gibt uns NAD eine Ahnung davon, wohin die Reise geht. Allein das formatfüllende Touch Panel auf der Frontseite signalisiert das. Wenn ich vorhin das provokante Wörtchen "Rechenzentrum" ins Spiel gebracht habe, dann mit voller Absicht - hier werden kompromisslos Bits und Bytes geschaufelt. Das geringe Gewicht ist einem Hybrid-Digital-Herz geschuldet, das die Quellsignale verstärkt.

Immerhin gibt es zwei analoge Hochpegeleingänge - einen Plattenspieler können Sie da aber nur mittels Extra-Phonovorverstärkers anhängen. Dafür findet ein Fernseher via HDMI unkompliziert Anschluss - ein Trend bei allen Verstärkern neueren Datums, was gleichwohl für Bluetooth-Konnektivität und separate Subwoofer-Ausgänge gilt (der M10 hat gleich zwei davon). Aber genug des Fachtermini-Wortgeklingels. Die Marke NAD - eine Abkürzung für "New Acoustic Dimension" - hatte und hat einen exzellenten Ruf. Der ehemalige britische Hersteller, der seit der Jahrtausendwende kanadische Eigentümer hat, schaffte es einst mit legendären Geräten wie dem Verstärker-Modell 3020, günstige Preise und exzeptionelle Klangqualität unter einen Hut zu bringen. Kann das der M10 40 Jahre später auch? Nicht ganz. Einerseits ist der Digital-Nachfahre preisgünstig (weil eben eine eierlegende Wollmilchsau), aber gewiss nicht billig. Andererseits ist der Klang gut, aber man muss den Lautstärkerregler schon ordentlich weit nach rechts drehen, um zu probaten Lautstärken zu kommen. Ein Kuriosum der digitalen Verstärker-Technik, das mir schon öfters untergekommen ist. Nominell sind die Geräte der Class-D-Abteilung durch die Bank bärenstark, in der Praxis geben sie sich oft defensiv.

Eine wirkliche Aussage mag ich aber in puncto Klangqualität nicht trefffen. Denn: Ich habe den M10 nicht eingemessen. Als akustischer Rechenschieber kann das innovative NAD-Modell auch die Raumakustik und Impulswiedergabe korrigieren und optimieren. Die entsprechende Software heißt "Dirac Live" und ist hier nur in der Light-Version verfügbar, die sich um besonders problematische tiefste Frequenzen kümmert. Jedenfalls lässt sich das eigene Wohnzimmer audiophil ausmessen und via Algorithmen-Zauber akustisch zurechtbiegen. Mir war es aber, offen gestanden, zu mühselig, das durchzuspielen. An den ebenfalls nigelnagelneuen Neat-Ekstra-Boxen - mehr dazu demnächst - klang’s jedenfalls auch so probat. Freilich: Meinen analogen Verstärkerboliden werde ich dennoch nicht stante pede zum Altwarenhändler karren.