Letzten Samstag ist ein schockierendes Foto um die Welt gegangen. Und eigentlich geht es immer noch. Zu Fuß? Nein, per Vogel (glaub ich). Also: Twitter. Ein Mädchen, dem man ohnedies bereits die Kindheit gestohlen hat, muss da auf dem Boden sitzen. Ohne Sessel dazwischen. In einem Zug. Und weit und breit kein Erwachsener zu sehen. Nur viel, viel Gepäck.

Wo sich das zugetragen hat? In einem Dritte-Welt-Land wahrscheinlich. (Darf man das noch sagen: Dritte Welt? Oder heißt das jetzt "Land mit besonderen Wohlstandsbedürfnissen"?) Trotzdem war’s im reichen Deutschland. Und das Mädchen war nicht irgendjemand. Sondern ein MIP (Most Important Person). "Ein" MIP? Kann’s denn mehrere von denen geben? Ich kenn jedenfalls bloß die Greta. Eh. Von genau der ist doch die Rede. Na ja, wenigstens ist sie in den vollen Zug reingekommen. Und sie hätte sogar noch locker die Beine ausstrecken können. (Okay, das kann ich auch immer. Halt im Stehen. Wenn ich klimafreundlich mit der Bahn unterwegs bin. Mit der U-Bahn allerdings.) Außerdem hat ihr der Boden sowieso getaugt, bevor man sie offenbar zu einem Sitzplatz in der ersten Klasse geschleift hat (auf einen Boden mit flauschigerem Teppich?): "Überfüllte Züge sind ein großartiges Zeichen, weil das bedeutet, dass die Nachfrage nach Bahnreisen groß ist." Stimmt. In Indien, zum Beispiel. Da hängen die Leute sogar schon außen an den Waggons dran. Und sitzen auf dem nackerten . . . Dach. Dort müssen wir ebenfalls schleunigst hingelangen, wenn das mit dem Klima noch was werden soll.

Am Montag waren wir verdammt nah dran. Gescheitert ist es am Ende lediglich daran, dass die U-Bahnzüge draußen über keine g’scheiten Haltegriffe und Trittbretter verfügen. An dem Tag hat es also in der Station Karlsplatz kurz gebrannt (die U1 ist in der Mitte der Strecke nach wie vor eine "verkehrsberuhigte" Zone). Und alle wollten daraufhin anscheinend just zu dem Zeitpunkt in der Station Landstraße in die U3 einsteigen, als ich das vorhatte. He, vor der Stiege zum Bahnsteig runter musste ich mich minutenlang anstellen! Auf der Stiege dann: Stop-and-go. Auf jeder Stufe auf den nächsten Schritt warten. Und unten: Panik. Weil mich die nachdrängenden Massen in den Zug hineinzuschieben versucht haben, noch bevor der überhaupt eingefahren ist. Während der Fahrt schließlich (mit eingezogenen Zechen) war mein einziger Gedanke: Hoffentlich reicht der Sauerstoff bis zur Schlachthausgasse. (Und alles wegen drei gesperrter Stationen.)

Wien hat’s ja endlich unter die Top Ten geschafft. Der vollsten Städte der Welt. Ist verstopfter als New York. Selbst die Fußgänger stecken regelmäßig im Stau. (Dabei heißt es Fußgänger, nicht Fußständer.) Auf einen Einheimischen kommen nämlich inzwischen angeblich 3,29 Ausländer (Touristen). Und ich will mir gar nicht ausrechnen, wie viele Einheimische auf einen Einheimischen kommen. Noch zusätzlich. Die sollen gefälligst mit ihren Sightseeing-Bussen fahren, die Touris. Und mit den Fiakern und der gelben Ringtram. Aber uns, bitte, die Öffis lassen.

An dieser Stelle möchte ich einmal Danke sagen. Allen Autofahrern. Dass sie sich nicht entmutigen lassen von Baustellen, Radwegen oder von Bäumen, die plötzlich aus den Parkplätzen wachsen, während sie selber grad einparken wollen. Danke, dass ihr nicht auch noch die U-Bahn nehmt!