In einem Zeitungsinterview zu ihrem 95. Geburtstag hat Friederike Mayröcker unlängst festgestellt, dass sie Menschen nicht verstehen kann, die Kriminalromane lesen. Unerklärbar sei ihr das, sagte sie. Ich sehe das so ähnlich wie die Schriftstellerin. Mich zum Beispiel wundert, was die Welt am Tatort hat. Wo es doch eh dauernd nur um diverse Befindlichkeiten diverser Kommissare geht, wozu brauchen wir da noch das Gemetzel drumherum? Ein Tatort ganz ohne irgendein Verbrechen täte gut. Und den Kommissar müsste Til Schweiger spielen. Als Wiedergutmachung.
Den Tatort mit Til Schweiger habe ich gesehen. Wir saßen im Hinterland von Mallorca in der Finca des dicken Deutschen und hatten allesamt Rotweingläser in der Hand. Mit dem Rotwein mussten wir aufpassen, weil der Fernseher vom dicken Deutschen im weißen Zimmer steht. Couch, Teppich, Fernseher, Vorhänge, Stehlampe, Beistelltischchen alles weiß bis auf die Tennissocken. Da lässt der dicke Deutsche sonst keinen rein. Und diesmal gleich die ganze Truppe. Gab ja sonst keinen Fernseher weit und breit. Nur als Indiz wie wichtig denen allen der Tatort war.
Was mich am Tatort stört, ist im Wesentlichen die Verfolgung der Verbrecher. Deshalb lese ich so gerne Kriminalromane, in denen die Beschreibung der Figuren weit wichtiger ist als die Aufklärung irgendwelcher Missetaten. Es geht ums Milieu, nicht um den Mord. Was ihm an kleinen Gaunern sämtlicher Couleurs so gefällt, hat Quentin Tarantino einmal gesagt, ist die wundersame Tatsache, dass die mit ihren wunderbaren Plänen dauernd auf die Pappen fallen, aber jedesmal so tun, als ob das alles mit voller Absicht geschieht. Quasi mein Traum-Krimi-Plot: solange auf die Pappen fallen, bis irgendwann die Polizei kommt und dich aufklaubt. Zu dumm fürs Verbrechen und trotzdem keinen anderen Job gelernt. Ich mag Krimis, die mich beruhigen. Und, falls es der Blutdruck erlaubt, ab und zu mal österreichische Innenpolitik.