Sucht hat viele Gesichter.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".

Nicht nur nach Sex, Heroin oder Schokolade kann der Mensch süchtig sein, sondern auch nach Serien. Man will endlich wissen, wie es weitergeht. Man kann an nichts anderes denken, bis endlich die neue Folge über den Bildschirm flimmert. Unwissende lachen einen aus und sagen: "Das ist doch nur eine Serie!", aber ich versteh’ sie. Denn ich bin jetzt einer von Euch.

Lange hat man ja gedacht, dass den internationalen Entertainment-Riesen von HBO oder Netflix keiner das Wasser reichen kann hierzulande.

Diese peinlichen Versuche der SPÖ etwa: Schlechte Bilder, entsetzliche Dialogregie, Intrigen auf Spielplatzniveau... traurig. ÖVP ebenso: Hängt mit Löger in der Casino-Causa mit drin, aber kommt da noch was? Nein. Und eine Festplatte dreimal zu schreddern ist auch kein Zeichen genialer Drehbuchideen. Grüne und Neos? Vergiss es.

Aber Gott sei Dank haben wir die FPÖ. Die zeigt der Weltöffentlichkeit, was gutes Politainment ist.

Immer, wenn man glaubt, das war es jetzt, kommt ein neuer Twist und das Publikum sitzt wieder mit offenem Mund da: Ibiza-Video, Strache-Rücktritt, Bruch der Koalition, EU-Wahl, Auftauchen von gemeinnützigen Vereinen, Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, Spesenaffäre, Hofers Gartenzaun, nochmal Strache Rücktritt, Straches Suspendierung, Phillipa-Ausschluss, Goldbarren in Tirol, Casino-Affäre, Straches Handy, Gudenus wird abgewatscht, Straches Ausschluss, Karl Baron und die unbekannten zwei, Gernot Rumpold ist auch wieder da, Sporttaschen voll mit bulgarischem Geld, oder russischem, Strache soll Gudenus und Nepp überwachen haben lassen... hab’ ich was vergessen? Wahrscheinlich. Und parallel dazu läuft schon das zweite Jahr in Folge (wegen des großen Erfolgs) der Buwog-Prozess gegen Grasser und Meischberger. Sozusagen als Mahnung an die Zukunft: Des wird uns alles noch länger beschäftigen. Sequels, Sequels, Sequels...

Und so warte ich gespannt auf die nächste Folge von "Fürchterlich. Peinlich. Öffentlich".

Was kommt noch? Vielleicht ein Waffenlager in Vilimskys Büro? Johann Gudenus bekommt am Graben eine Torte ins Gesicht? Dominik Nepp erkennt in einer Presseaussendung: "Ich musste mit Schrecken feststellen, dass mein Name eine zweite Bedeutung hat." Strache hat eine komplette Messerschmitt flugbereit im Keller. Gabriel Barylli macht aus alten Strache-Reden ein Hörspiel für Servus TV. Johann Gudenus rutscht auf der Kärntner Straße auf einer Bananenschale aus. Manfred Haimbuchner behauptet, im Traum sei ihm Jörg Haider erschienen und hätte ihm befohlen, die Partei zu übernehmen. Hofer behauptet tags darauf dasselbe. Dann Landbauer, Waldhäusl und Abwerzger. Mölzer sagt daraufhin, das sei ein ganz normaler Prozess. HC Strache erscheint sich selbst im Traum. Johann Gudenus läuft auf der Rotenturmstraße gegen einen Laternenpfahl. Angeblich tauchen Sex-Bilder auf, die Kickl und ein Pferd zeigen sollen. "Eine Fälschung!", sagt das Pferd. Johann Gudenus fällt beim Charity-Punsch-Trinken in sein Punschglas, Geschäftsleute aus Transnistrien kaufen Liederbücher auf... Wie gesagt: Ich bin süchtig. Bin nur froh, dass das alles "nur eine Serie" ist.

Oder... Moment!