Dies ist eine Neujahrsglosse. Das bedeutet, sie will und wird Optimismus verbreiten. Denn wenn andernorts die auch bei Minustemperaturen als brennend empfundene Klimafrage mithilfe eines hellstimmigen Kinderchores zu einem Generationenkrieg ausgeweitet werden soll, muss man dagegenhalten.

Es galt einmal als sinnvoll, sich in Gesprächen den Standpunkt des Gegenübers wenigstens für kurze Zeit zu eigen zu machen, damit man begreifen kann, was das Gegenüber meint, hofft oder fürchtet. In dieser Übung liegt das Samenkorn der Verständigung. Es scheint aber so zu sein, dass Verständigung im Moment nicht mehr so hoch im Kurs steht. Es geht ums Rechthaben. Je mehr man sich in kollektive Krisenstimmung hineinsteigert, desto dringender wird offenbar das Gefühl, sich auf alle Fälle durchsetzen zu müssen, da es in jedem Moment um nichts weniger als das Wohl der ganzen Welt geht.

Ich muss gestehen: Mir ist diese Haltung gar nicht sympathisch. Sie hat einen totalitären Kern, der sich, wenn man nicht aufpasst, zu einem unkalkulierbaren Übel auswachsen könnte. Denn ich habe auch schon gelesen, dass manch einer meint, angesichts der Bedrohungen durch den Klimawandel blieben auch der Rechtsstaat oder die Demokratie nicht unantastbar. Es gelte sozusagen das Recht auf Notwehr - gegen wen und zu welchem Zweck genau, bleibt offen.

Wenn ich mich an meine Jugend erinnere, kann ich nicht verhehlen, dass auch ich punktuell starke Überzeugungen hatte, die meiner Umgebung nicht durchgängig sympathisch waren. Nicht wenige Junge entwachsen mit der Zeit ihren starken Überzeugungen. Sie legen sie im hintersten Winkel des Schrankes ab und denken nur mehr selten an sie. Ich jedenfalls habe immer wieder das Vergnügen, Freunde und Bekannte aus meiner Studienzeit, die damals wesentlich stärkere und nicht immer mit dem Rechtsstaat vereinbare Meinungen hatten, im Radio reden zu hören, weil sie als Experten für dies und jenes befragt werden. Sie sind irgendwann und irgendwie zu Stützen der Gesellschaft geworden.

Meine Generation hatte den Vorteil, dass die damals Älteren nicht mit uns demonstrieren gingen. Sie hörten aufmerksam zu und hielten, wenn nötig, auch argumentativ streng dagegen. Die jeweilige Meinungsstärke hat, so scheint mir im Rückblick (selbstverständlich nur auf meine eigene Person), auch etwas mit Unsicherheit zu tun. Wenn sich die auswächst, entspannt sich die Lage.

Was nun etwa die "SUV-fahrenden Omas" betrifft, dazu kann man eigentlich nicht viel sagen. Geschmack kann man noch immer nicht kaufen. Ein Freund aus Berlin schrieb mir dazu: "Ein Glück, dass Großmütter Enkel lieben und nicht Generationen." Ich stimme dem voll und ganz zu.