Was in dem ganzen Trubel rund um Weihnachten, Silvester und die neue Regierung untergegangen ist, ist die Tatsache, dass das "Traumschiff" seit Weihnachten einen neuen Kapitän hat. Traumschiff? Kennen Sie nicht? Das spricht für Sie. Es handelt sich dabei um eine Fernsehserie des ZDF, die man wohl am besten so beschreibt: Der Himmel ist blau, das Schiff ist weiß, der Drehbuchautor eine Robbe. Trotzdem hilft diese Serie Leinwandgöttinnen und -göttern wie Barbara Wussow und Sascha Hehn, ihre Miete zu zahlen. Das gefällt Zuschauern denen die "Lindenstraße" zu linksradikal, die "Sendung mit der Maus" zu gewalttätig und bei Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen zu viel Sex im Spiel ist. Das ist quasi ein No-Brainer für freiwillig Lobotomierte. Oder anders gesagt: Die Serie hat eine große Fangemeinde. Und genießt natürlich die freundliche Unterstützung des Kreuzfahrtschiffbusiness.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".

Und hat jetzt eben auch einen neuen Kapitän: Florian Silbereisen. Wenn Sie den auch nicht kennen, spricht das noch mehr für Sie. Florian Silbereisen ist so etwas wie der Sebastian Kurz des deutschsprachigen Unterhaltungsgeschäfts. Kaum glaubt man, dass er weg ist, taucht er woanders schon wieder auf. Eine Parallele zwischen Helene Fischer und Elisabeth Köstinger zu ziehen, wäre allerdings unzulässig.

In Zeiten, in denen Kreuzfahrtschiffe sich schon gegenseitig rammen, in Venedig ein Vaporetto oder die ganze Stadt versenken, bräuchte aber das "Traumschiff" ein zartes Update. Mein Vorschlag:

In der nächsten Traumschiff-Folge haben sich Klima-Aktivisten an Bord geschmuggelt, um ein Zeichen gegen die alte Umweltsau Kreuzfahrtindustrie zu setzen. Nach fünf Tagen auf hoher See bricht auf dem Schiff eine Masern-Epidemie aus, da mehr als ein Viertel der Gäste überzeugte Impfgegner sind. Der Kapitän verhängt gerade die Quarantäne über das Schiff, da kommt es zum Aufstand unter den unterbezahlten Reinigungskräften an Bord. Diese Menschen aus Südostasien ohne Papiere, ohne Arbeitsvertrag und ohne was zu verlieren, stürmen den Speisesaal und werfen den Chefstewart aus dem Fenster.

(Hier wäre jetzt eine gute Gelegenheit für Product Placement, wenn man den Bedauernswerten neben dem Namen der Kreuzfahrtsgesellschaft am Unterdeck verbluten sieht.) Die Rebellierenden - angeführt von einem Comedian, der das Kleingedruckte im Vertrag nicht gelesen hat und täglich 13 Shows spielen musste - liefern sich einen blutigen Kampf mit den Stewarts und Offizieren, keiner achtet mehr auf den Kurs und so rammt das Schiff ein mit Flüchtlingen überbelegtes Boot. Während der eine Teil der Flüchtlinge ertrinkt und dabei von den älteren, weißen Passagieren interessiert beobachtet und mit guten Ratschlägen bedacht wird, schafft es der andere Teil, sich an Bord zu retten, wo sie die Klimaaktivisten entdecken, die gerade dabei sind, das ganze Schiff zu versenken.

Und während man sieht, wie das Schiff langsam Flammen fängt, läuft der Abspann: mit freundlicher Unterstützung von Phönix-Reisen.

Ich garantiere steigende Quoten oder zumindest schönste Shitstorms. Also schalten Sie auch das nächste Mal ein, wenn afrikanische Piraten das Schiff entern, das Benzin ausgeht und hunderte europäische Pensionisten im Ozean landen: "Das Traumschiff".