Jetzt ist sie also angelobt, die türkis-grüne Regierung. Die internationale Presse verfolgt die Vorgänge in Österreich mit großer Aufmerksamkeit. Wird das Bündnis von zwei derart unterschiedlichen Parteien halten? Wird es sich in der Praxis bewähren? Wird es ein Modell für andere europäische Staaten sein, ein Beispiel, wie rechte Parteien vom Regieren ferngehalten werden können?

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.

Was gestern passiert ist, nämlich die Angelobung der Regierung durch den Bundespräsidenten, stellt die deutschen und schweizerischen Journalisten vor ein semantisches Problem. Die Wörter "angeloben" und "Angelobung" gibt es nur in Österreich, wir haben es mit klassischen Austriazismen zu tun. Die ausländischen Journalisten müssen es ihren Lesern erklären: "In Österreich ist die neue Regierung angelobt, das heißt vereidigt worden."

Auch in den Wörterbüchern ist "angeloben" mit dem Vermerk "österreichisch" versehen. Daneben findet sich auch eine gesamtdeutsche Bedeutung, die als gehoben und veraltet gilt: jemandem etwas feierlich versprechen.

Ich vermute, dass jüngere Menschen mit dieser Bedeutung nichts anfangen können - wenn ihnen beispielsweise im Deutschunterricht bei der Lektüre von Friedrich Schillers "Wallenstein" das Wort "angeloben" begegnet. Im zweiten Teil der Trilogie mit dem Titel "Die Piccolomini", genau genommen im vierten Auftritt des Ersten Aufzugs, kommt es in diesem Sinn vor: "Und hier gelob’ ichs an, verspritzen will ich / Für ihn, für diesen Wallenstein, mein Blut /das letzte meines Herzens, tropfenweis’, eh dass / Ihr über seinen Fall frohlocken sollt!" Damit will Max Piccolomini auf pathetische Weise zum Ausdruck bringen, dass er bereit ist, für Wallenstein zu sterben.

Zurück zur österreichischen Bedeutung des Ausdrucks. Er ist amtsdeutsch und rein formal eine Erweiterung von "geloben" zu "angeloben". Als Angelobung bezeichnen wir die Verpflichtung zur gesetzestreuen und gewissenhaften Ausübung übertragener Funktionen mit einer feierlichen Vereidigung, dem Gelöbnis. Nicht nur Regierungsmitglieder und Abgeordnete, auch Richter, Soldaten und Beamte haben ein gesetzlich vorgeschriebenes Gelöbnis abzulegen, in dem sie versprechen der Republik und dem Volk treu zu dienen. Auch manche Freiberufler, zum Beispiel Rechtsanwälte und Wirtschaftstreuhänder, werden angelobt.

Oberflächlich betrachtet entsteht der Eindruck, dass in "Angelobung" das Wort "Lob" steckt. Das ist allerdings ein Irrtum. Das Wort geht auf dieselbe Wurzel zurück, die auch in "erlauben" und in "glauben" steckt. Mit "loben" hat das Wort also nichts zu tun, die Regierung muss sich ein Lob erst verdienen. Auch in dem Wort "verloben" steckt ähnlich wie in "geloben" der Gedanke: etwas versprechen.

Apropos Wallenstein: Da wir gerade bei Schillers monumentaler Trilogie waren - unlängst hat mir ein Freund einen netten Witz erzählt. Ein Ehepaar hat "Wallenstein" gesehen. Wie sie aus dem Theater kommen, fragt die Frau den Mann, wie es ihm gefallen habe. "Das ist schon sehr beeindruckend", antwortet der Mann, "drei Stunden Theater und kein einziges englisches Wort!"