Falls Sie noch nie etwas von einem gewissen Xu Bing gehört haben, befinden sie sich in guter Gesellschaft: Der chinesische Künstler ist hierzulande weitgehend unbekannt, hat allerdings ein Werk geschaffen, das die logische Weiterentwicklung unserer modernen Kommunikationsformen darstellt. Sein Roman "Book from the Ground" besteht ausschließlich aus Emojis, also jenen kleinen Bildzeichen, mit denen jeder von uns seine persönlichen Nachrichten via Smartphone, Handy oder PC anreichert.

Heutige Kommunikationsformen. - © xubing.com
Heutige Kommunikationsformen. - © xubing.com

Pessimisten unter den Sprachforschern fürchten, dass wir dadurch einen Teil unserer linguistischen Fähigkeiten verlieren könnten, andere jedoch meinen, dass das Gegenteil der Fall sei. Die neuartige Kommunikation mit Hilfe von Bildzeichen ermöglicht es schließlich, über sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg zu kommunizieren, ohne mühsam die Sprache des Kommunikationspartners lernen zu müssen.

Blickt man auf die Geschichte des geschriebenen Wortes, so wird man unschwer erkennen, dass Bildzeichen, sogenannte Piktogramme, am Beginn der ersten Schriftsprachen standen. Die alten Ägypter etwa verwendeten die schematische Darstellung eines Menschen , um das Wort "Mann" wiederzugeben. Auch "Haus" oder "Wasser" wurden durch leicht erkennbare Bilder wiedergegeben. Wer nun allerdings meint, man könne die altägyptischen Hieroglyphen, die "heiligen Zeichen", wie ein Bilderbuch oder den Roman Xu Bings lesen, wird wohl rasch frustriert aufgeben. Die Hieroglyphenschrift war nämlich keine bloße Aneinanderreihung von Piktogrammen, sondern eine recht komplizierte Mischung aus Bilder- und Lautschrift.

Die Namen von Königen oder Göttern wurden dabei eigens optisch hervorgehoben, indem man sie mit einem Rahmen, der sogenannten Kartusche, umgab, womit die besondere Bedeutung der Zeichenkombination auch für jene Ägypter ersichtlich war, die die "heiligen Zeichen" nicht entziffern konnten. Diese Kartusche wurde schenu genannt, was übersetzt "einkreisen" oder "umschließen" bedeutet.

Erst um das Jahr 650 v. Chr., also lange nach Entwicklung der ältesten Schriftsysteme, begann sich eine Art Schreibschrift, das sogenannte Demotische durchzusetzen. Es entstand als Kanzleischrift und blieb bis in die Spätantike Gebrauchsschrift in Ägypten, wobei es allerdings grammatikalisch weiterhin dem komplizierten System der Hieroglyphen folgte. Erst mit dem Siegeszug des Christentums wurde die ägyptische Schriftsprache entscheidend vereinfacht, indem man die koptische Schrift einführte, eine Form der griechischen Schrift mit 32 Lautzeichen.